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Dienstag, 19. Februar 2013

Ein Herz für die PR-Abteilung

Was man mit Studien Lustiges anfangen kann, beweist heute mal wieder Xing mit seiner Pressemitteilung. Demnach sind 14 Prozent der Befragten schon mal eine Beziehung am Arbeitsplatz eingegangen. 35 Prozent könnten sich das immerhin vorstellen. Für 85 Prozent sind die Kollegen sogar die attraktivsten Beziehungspartner. So weit, so beziehungsreich. Jetzt kommt das große Aber.

Ausgerechnet wir kommunikativen Wortkünstler, einfühlsamen Zuhörer und zupackenden Macher in PR und Marketing kommen im Schaukampf der attraktivsten Abteilungen nur auf Platz fünf. Vor uns sind die grauen Mäuse aus der Buchhaltung, die Stechkarten-Stempler aus der Personalabteilung, die öligen Vertriebler und die Jungs aus der Produktion mit den schwarzen Fingernägeln. Was auffällt: je typisch "männlicher" der Bereich, desto sexier die Abteilung.

Uns PR-Männern und -Frauen traut man beziehungstechnisch nichts zu, aber dafür können wir Facebook.Zehn Prozent aller neuen Beziehungen beginnen bereits mit dem F-Wort, wie der Beziehungspezialist Jakobs feststellt. Natürlich denken wir dabei nicht an Bang with friends. Wir feinfühligen Geschöpfe haben ein größeres Herz und ein Hirn dazu. Da passt es gut, dass es jetzt eine BwF-Variante gibt, die uns nicht nur im Vollzug, sondern auch im Schwärmen, Träumen, Hach-Sagen unterstützt.

Große Herzen statt Big Bang
Friends-or-more.de heißt die Weiterentwicklung der Leverkusener App-Spezialisten "Socialised". Das Prinzip ist das selbe wie bei BwF: Die Facebook-Anwendung erzeugt aus euren Facebook-Kontakten einen Katalog eurer potenziellen Herzenswünsche. Ihr setzt ein Herz dort, wo ihr euch mehr vorstellen könnt, als nur eine Facebook-Freundschaft. Macht der Herzenswunschpartner das gleiche, habt ihr einen Volltreffer gelandet. Klickt der andere nicht, merkt keiner was.


Trend: Secret Wishlist-Apps
Secret-Wishlist-Apps werden die amourösen Helferlein genannt. Und wir brauchen sie dringend. Facebook-Freunde sind anders als andere Freunde. Wir sammeln sie nicht nur in unserem engsten Bekanntenkreis ein. Kollegen, Geschäftspartner, entfernte Bekannte, einmalige Bekanntschaften - ein direktes Ansprechen würde sich oft verbieten oder wäre riskant. Friends-or-more.de oder Bang with Friends lassen nur zusammen kommen, was zusammen gehört.  Keine Fragebögen, kein Ausfüllen von Profilen wie bei Partnerbörsen, kein pseudowissenschaftliches Matching.



Thema: Datensicherheit und Privatsphäre 
Dass Friends-or-more.de dabei wesentlich charmanter, herzlicher und weniger hormon-gesteuert daher kommt als das amerikanische Original, sieht man auf den ersten Blick. Die Entwickler rund um Projektleiter Mike Wattrodt haben aber auch auf die Sicherheit geachtet. Ein Klick und die Daten und die App werden wieder vom Facebook-Profil entfernt. Mike, der einige Projekte für uns bei talkabout realisiert hat, sieht hier den großen Unterschied: "Die Idee von Bang with Friends war einfach und genial. Aber wir wollten etwas auf Deutsch machen, das herzlicher ist, weniger direkt und vor allen Dingen sicherer für alle Beteiligten."

Tatsächlich ist das Verteilen von Herzen einfach, unverbindlicher und ergebnisoffener. Was die beiden verbundenen Herzen  miteinander anstellen. definieren sie selbst. Und das kommt uns Kommunikationsexperten durchaus entgegen, wenn wir wieder mit jemand aus der Produktion anbandeln wollen.

Dienstag, 1. Mai 2012

EM in der Ukraine: Kein Spaß für die Sponsoren

Ich kenne acht Marketingabteilungen, die diesen Sommer keinen Spaß haben werden. adidas, Canon, Carlsberg, Castrol, Coca Cola, Continental, Hyundai, McDonald's und Sharp sind die Sponsoren der Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine. Ihnen droht ein Sommer des Missvergnügens angesichts der Bilder, die wir aus der Ukraine zu erwarten haben. Da nützen alle schönen CSR-Berichte nichts.

Was wir ab 8. Juni sehen werden, wird uns sehr an die Bilder aus Bahrein erinnern. Tränengas, prügelnde Polizisten, Demonstranten, Verletzte werden das Bild dieser EM prägen. Vielleicht mischt sich das Blut der Verletzten nicht in das offizielle TV-Signal der UEFA, aber über Social Media, auf YouTube und Facebook werden die Bilder diese EM bestimmen. Der perfekte Markenauftritt wird den Sponsoren nicht gelingen. Und sie werden sich fragen lassen müssen, ob sie mit den Spielen in der Ukraine nicht die Unterdrücker stützen.

Dass unser Blick nun auf die unhaltbaren Zustände in der Ukraine fällt, ist aber irrwitzigerweise ein Verdienst der gut geschmierten Sport-Maschinerie mit ihrem Drang zu den Geldtöpfen der Schurken. Die Ukraine wird nach dieser EM nicht mehr die selbe sein. Und die Sponsoren großer Sportereignisse werden sich fragen, wieviel Blut und Tränengas die Marke verträgt.

Donnerstag, 17. Dezember 2009

2010 wird das Jahr des Scheiterns für Social Media

2009 war ein verdammt gutes Jahr für Social Media. Wir haben viele spannende Projekte gesehen. Vieles wurde zum ersten Mal ausprobiert, diskutiert und mit wohlwollendem Interesse verfolgt. Selbst der Fail erhielt so viel Aufmerksamkeit, dass er nicht nur lehrreich war, sondern kommunikativ richtig umgesetzt die Basis für weitere, erfolgreiche Projekte wurde.

Eine Warnung an alle im PR und Marketing Umfeld: Das wird 2010 nicht mehr so einfach mit dem Social Media. Wir werden im nächsten Jahr viele Social Media Projekte kümmerlich scheitern sehen. Und das hat zwei Gründe:

1. Wir scheitern, weil wir Ziele haben.

  • In 2010 werden Social Media schon allein deshalb scheitern, weil wir wir den Erfolg messen. Erstens werden Chefs und Controller zu Recht Zahlen verlangen, was die Sache denn bringt.
  • Zweitens werden die Projekte sehr konkrete Ziele bekommen, weil wir nach der Experimentierphase nun in der Lage sind, sie zu formulieren.
  • Drittens sind die Tools zum Monitoring und zur Evaluation inzwischen so gut, dass wir auch messen können, ob wir unsere Ziele erreicht haben.

2. Wir scheitern, weil Social Media erfolgreich ist.

Viele Testballons aus den PR- und Marketingabteilungen haben bis jetzt nur deshalb Aufmerksamkeit bekommen, weil sie zum ersten Mal in Social Media stattfanden. Jetzt ist Social Media eine Commodity wie fließend Wasser. Der Facebook-Auftritt einer Partei zur Bundestagswahl wird in keine Meldung mehr wert sein. Der twitternde Konzern ist nächstes Jahr nur noch einen Eintrag in eine Liste wert, aber keine Meldung in der Fachpresse. Auch die Aufmerksamkeit der Massen für die 500. "Folge mir und gewinne einen 5-Euro Reisegutschein"-Aktion wird geringer ausfallen.

Von PR und Marketing initiierte Social Media Aktionen werden also 2010 reihenweise scheitern, weil sie niemanden interessieren und deshalb keinen Return on Communication bringen. Weil sie kein Gespräch entfachen, und damit keinen Markt für Meinungen und Produkte.

Und jetzt kommt die gute Nachricht: Aus den gleichen zwei Gründen wird es 2010 viele verdammt erfolgreiche Social Media Aktivitäten geben! Die Menschen in Social Media werden sich Aktionen zuwenden, die witzig und gut umgesetzt sind, und die ihnen irgendeinen Nutzen bringen. Und unsere Chefs und Auftraggeber wollen Zahlen sehen - gute Zahlen.

Die Herausforderung für uns wird sein, das Engagement in Social Media strategisch einzubetten und uns klare Ziele zu setzen. Operativ aber brauchen wir viel bessere Ideen, viel mehr Kreativität und noch viel mehr Kooperation zwischen den Disziplinen. Bei aller Professionalisierung werden Social Media PR und Marketing 2010 deshalb nicht den großen Playern gehören, sondern den kreativen Strategen in kleinen, interdisziplinären Units.

Ich freu mich auf ein erfolgreiches Jahr des Scheiterns.