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Donnerstag, 3. Mai 2012

I heard it on my radio

Bei aller Formatierung und Zersplitterung, bei allem Wandel der Nutzergewohnheiten, ist es sehr beruhigend, dass Radio noch immer funktioniert. Zumindest für die Vermarktung von Musik. Neue Musik und neue Interpreten finden die Menschen immer noch am häufigsten im Radio, wie eine neue Studie aus den USA und Kanada zeigt. Gleichzeitig hören aber schon fast 40 Prozent Radio im Internet.

Die Zeiten des klassischen Radioapparats sind also vorbei - die Zeiten des Radios noch nicht. So don't become some backgound noise.

Mittwoch, 17. Juni 2009

Radio ist einfach geiler

Natürlich hätte ich auch gerne so ein hermetisch verschlossenes, von Wissen und Erfahrung kaum durchdrungenes Weltbild wie die selbstdarstellenden Social Media Dogmatiker auf der einen Seite und die papierfixierten Apologeten der Irrlehre des Qualitätsjournalismus auf der anderen. Im Geiste der Aufklärung erzogen aber bediene ich mich gerne meines Verstandes und bin daher fähig, ja gezwungen, auch etwas komplexere Zusammenhänge zu sehen als den heraufbeschworenen Kampf der Kulturen, der letztendlich gerade mal ein Treffen der Generationen ist.
Nein, wir müssen nicht jedesmal das Rieplsche Gesetz zitieren, wenn wir daran glauben wollen, dass die Tageszeitung der einzige Weg zum Glück ist. Weil wir wissen, dass Wachstafeln vielleicht noch in Gebrauch sind, aber schon lange kein Teil der meinungsbildenden Medien.
Wir müssen auch nicht so cool und elitär in Buzzwords (Poken!) daherkommen wie die liebe Twitter-Gemeinde. Weil wir wissen, wie elitär und versnobt die Blogger vor ungefähr 24 Monaten waren.
Wir müssen nur einfach mal auf dem Weg zur Arbeit das gute Bayern2 hören, genauer die "radiowelt"; und dort die Reportage des Korrespondenten aus dem Iran. Seine letzte Berichtsmöglichkeit ist es, sich auf den Balkon zu stellen und das Mikro auf die Straße zu halten. Er fängt den Moment ein, in dem all abendlich die Menschen in Teheran dem Regime buchstäblich aufs Dach steigen und wie auf ein geheimes Zeichen hin die Parolen der Aufständischen in Wortspielen und Versen über die Stadt rufen, eine neue, einfallsreiche Form des öffentlichen Protestes. Ein journalistisches Meisterwerk in 1:30.
Irgendwann wird der BR diese Reportage vielleicht online stellen, und dann werden wir vergleichen können:
  • Wir werden sehen, dass die SZ ungefähr zwei Seite-3-Formate gebraucht hätte, um das alles zu transportieren.
  • Wir werden sehen, dass auf Twitter wahrscheinlich gerade eine Twitpoll läuft, bei der alle den Wächterrat irgendwie ganz doof finden und außerdem wäre das doch was aus Herr der Ringe, 1. Teil (der Verfilmung).
  • Im Ersten liefe wahrscheinlich ein Brennpunkt, aber es gibt nichts zu sehen aus dem abgeriegelten Land.
Das alles werden wir sehen und vergleichen. Dann werden wir zu dem Schluss kommen, dass Radio für diesen Fall einfach geiler ist. Und dass es Sternstunden für Medien gibt, in denen alle anderen nur matt leuchten. Und dann, wenn wir den letzten Gedankenschritt machen wollen, werden wir sehen, dass eine Schwarz-Weiß-Sicht und ein Lagerkampf zwar unterhaltsam, aber nicht unbedingt zielführend sind.

Montag, 18. August 2008

Riesenradkappe

Gestern im B3-Verkehrsfunk: "Auf der Autobahn A96 blockiert eine Radkappe die Fahrbahn." Muss eine sehr große Radkappe gewesen sein. Oder eine studentische Hilfskraft in der Verkehrsredaktion.

Dienstag, 29. April 2008

Kaufdown bei sueddeutsche.de

Arrrgh!
sueddeutsche.de will jetzt Sofas und Autos auf der Website rückwärts versteigern. Ich mag mir nicht vorstellen, wie das auf der Website aussieht. Viel schlimmer aber ist, dass sie dazu auch RADIOWERBUNG angedroht haben.
Das wird bedeuten, dass ich pünktlich zur halben und kurz vor der vollen Stunde panisch den Sender wechseln werde. Hin zu einer Station, bei dem die Mediaplaner niemals ihre Zielgruppe vermuten würden. Ich werde beim Dudelfunk um Asyl bitten und wer weiß, vielleicht dort meine radio-aktive Heimat jenseits aller Nachrichten, Features und Programmkompetenz finden.
Weil: Ich kann mir genau vorstellen wie die Radiowerbung für sueddeutsche.de sich anhören wird:
- Es wird eine Frauen und eine Männerstimme geben.
- Der Mann wird sich dumm anstellen/keine Ahnung haben/ein Volltrottel sein. Sowas halten die Werber für witzig.
- Die Frau wird den Produktnamen/die URL/die Marke ungefähr 20 Mal während des Spots wiederholen. Das ist billiger als sich lange einen ordentlichen Claim auszudenken.
- Um das ganze nervlich abzurunden, wird es dezente Musikuntermalung geben, vielleicht auch nahe liegende Klangeffekte (Quietschende Sofa-Federn bei Geschlechtsverkehr, Auto-Hupe)

Ich bin ja so gespannt!

Dienstag, 22. April 2008

Das spricht Bände

Dass die Süddeutsche Zeitung kein Internet kann, kann jeder sehen. Dass sie auch keinerlei Sprachgefühl hat, war bisher wenigen Leuten bekannt, wird aber deutlich, angehört ihres aktuellen Radio-Spots für die neue Buchreihe "München erlesen". Große Autoren von Thoma bis Thomas Mann verspricht die Reihe. Hätten die Spotmacher doch auch nur einen, einen einzigen Blick in die Bücher dieser Schriftsteller geworfen, wäre ihnen der dazugehörige, furchtbare Spot nicht passiert.
Dort versucht sich ein Sänger im Komödienstadl-Bairisch an einem Schnaderhüpfel. Das Schnaderhüpfel ist eine süddeutsche Ad-Hoc Liedform, die sich besonders durch Kürze, Sprachwitz und entsprechende Verdichtung auszeichnet. Ok, kurz ist der Spot immerhin, wenn man die Stoppuhr hinhält. Aber die gefühlte Zeit wird angesichts dieser bajuwaristischen Sprachvergewaltigung als endlos empfunden.
So ein Tiefschlag ins Sprachkontor kann nur mit gleichen Mitteln gekontert werden:

Bei da Süddeutschen Zeitung
regiern jetzt die Schwobn
des merkt ma im Radio
weils nix zum sogn hobn