Im Silberlicht des Mondes scheinen Geschichten wahr, die im goldenen Sonnenlicht nicht bestehen würden. Dieser Blog erzählt von den Möglichkeiten und Unmöglichkeiten der PR, Medien und der Werbung. Stephan Eichenseher ist Senior PR-Berater bei wbpr_ Kommunikation. Seine Schwerpunkte sind Corporate Communication, Innovationskommunikation und Online-Kommunikation.
Freitag, 6. April 2012
Handelsblatt: Die Richtigen im Falschen
Was sie sagen, ist in weiten Teilen richtig. Ohne Geld gibt es keine Kunst und keine Künstler. Kunst muss man sich leisten können. Gebt dem Künstler, was des Künstlers ist. Mein Problem: Sie sagen das Richtige im Falschen. Die ganze Geschichte geht von einer erzwungenen Umsonstkultur aus, die die Piraten nicht im Programm haben. Ich habe gesucht, ich konnte es nicht finden.
Einige der klugen und durchaus streitbaren Köpfe der Branche sind Mitglied der Piratenpartei und scheinen keine Angst vor einer kommunistischen Revolution und der Enteignung zu haben, anders als die hundert Handelsblätterer. Was soll also die Kampagne, an der sich das Handelsblatt in der Karwoche genauso beteiligte wie die FAZ und die Süddeutsche? Wieso wird die Debatte um Bürgerrechte im Internet verdreht zu einer Debatte um die Verwertungsrechte?
Zu den bürgerlichen Freiheiten, gehört auch das Recht, Geld zu verdienen. Und das Recht, mit einem neuen, besseren Geschäftsmodell die überkommenen Wettbewerber vom Markt zu nehmen. Und darum sollte sich das Handelsblatt kümmern und hundert schlaue Köpfe finden: Neue Geschäftsmodelle finden für die Kunst und die Demokratie in den Zeiten ihrer technischen Reproduzierbarkeit.
Montag, 30. Januar 2012
Der Fall Heveling und die journalistische Verantwortung
Natürlich kann ich als "geschichtsbewusster Politiker" dampfwalzend über Blut, Schlachten und Krieg reden. Oder über "digitale Maoisten" im "web 2.0" (hat man das heute noch?). Es ist genauso wenig differenziert und genauso inhaltlich falsch wie das grottenschlechte Anonymous-Video. Heveling ist mir schon
Ich stelle mir nur die Frage, wie die Redakteure des Handelsblattes so etwas auf die Website heben können. Klar ist das ein Diskussionsbeitrag, aber muss sich ein Bundestagsabgeordneter dafür lächerlich machen? Gibt es etwas wie eine Qualitätskontrolle beim Handelsblatt?
Wer meint, die publizistische Relevanz in einem der wichtigen deutschen Wirtschaftsmedien nur auf dem Niveau von RTL-II herstellen zu können, sollte es genau dort versuchen.
Update:
Ganz heuchlerisch überrascht gibt es jetzt auch einen Bericht über die selbst inszenierte "Protestwelle" die den Abgeordneten "überrollt" habe: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/ansgar-heveling-protestwelle-ueberrollt-netzkritischen-cdu-abgeordneten/6129254.html
Sonntag, 7. August 2011
Ich versteh das nicht, Süddeutsches Magazin
So ein Magazin wie das der Süddeutschen Zeitung besteht inzwischen hauptsächlich aus Kolumnen. Während die langen Lesetexte inzwischen recht selten, immer weniger lang und immer weniger lesenswert werden, wachsen die Kolumnen: Kochen, Fotostrecke, Gewissensfrage, Produktfriedhof, Hoteltipp und schon habt ihr wieder ein Heft zusammen.
Einen besonderen Platz nimmt dabei die Kolumne "Das verstehe ich nicht" ein. Dort machen sich eure Autoren mit herzgefühlter Empörung über so verabscheuungswürdige, unterschichtige Phänomene lustig wie blitzende Tangas, lustige Fotos auf Facebook, Fotos im Retrolook, Selbstentblößungsfotos und überhaupt Fotos, weil das anscheinend immer ein Grund zur herzgefühlten Empörung ist.
Aber was heißt da "eure Autoren"? Das muss eine speziell ausgewählte, auf Herz und Arroganz geprüfte Edelfedern-Elite sein. Ich kann mir euer Assessmentcenter vorstellen, durch das die Kandidaten müssen, bevor sie ihre sehr gepflegte Abscheu gegenüber allem Menschlichen absondern dürfen. Kann der Kandidat sich über jede gemeine Freude erheben? Fehlt ihm jeglicher Blick für den Spaß am eitlen Treiben? Ist er ausreichend arrogant, Schicksale anderer als persönliche Schwächen umzudeuten? Kann er aus glücklichem Amateurdasein den Schmähwitz des bemühten Dilettantismus ziehen?
Ja? Dann reiht ihr ihn ein in die Reihe der beredten Welt-Nichtversteher, auf dass er uns mit seinem Schreiben jeden Spaß den überwürzten Garaus mache.
Wenn euch diese Kolumne gefällt, dürft ihr es gerne als Bewerbungsschreiben ansehen.
Grüße in den Elfenbeinturm.
Dienstag, 15. März 2011
Das "jetzt" muss erst noch verdient werden
Man könnte schnell darüber hinweg gehen. Die Süddeutsche Zeitung hat eine neue Anzeigenbeilage geschaffen für Schüler und Studenten. Aber die SZ hat das neue Produkt "jetzt Schule und Job" genannt - und will damit an einen Mythos anknüpfen. Mein Urteil vorneweg: Durchkalkuliert, ohne Witz und blass.
Es gibt keine Gedenktage zum Montag, den 22. Juli 2002. Aber das Datum markiert eine kleine persönliche Zäsur in meinem Leserleben. Am 22. Juli hat die Süddeutsche Zeitung ihr Jugendmagazin "jetzt" eingestellt. Der Montag, er hatte vorher seit 1993 jetzt gehört. In den Haushalten der Bildungsbürger, in den Kollegstufen und Studenten-WGs blieb an diesem Tag der Rest der Zeitung den Erwachsenen vorbehalten.
Das Magazin verhielt sich gegenüber den Lesern wie gute Eltern gegenüber Pubertierenden: Sie wissen, das geht alles vorbei, aber sie nehmen sie trotzdem ernst. jetzt machte keinen Musikjournalismus, jetzt lies die Band in die zu klein gewordenen Kinderzimmer kommen. jetzt hatte kein Design, jetzt war das kryptische Graffiti in der Bahnhofsunterführung. jetzt brachte die große Stadt in die Dörfer und zeigte uns als Helden, die wir waren.
Kann die neue Anzeigenbeilage daran anknüpfen? Das Design ist brav und wenig einfallsreich. Nicht einmal vor Produktgräbern, wie man sie aus Frauenmagazinen kennt, schreckt die Redaktion zurück: "Es duftet nach Frühling und Neuanfang. Mit diesen Sachen duftest du mit." Ein paar lustige Listen, ein paar wenig originelle Interviews. Das ist alles solide, aber leider auch nett. Einzig und allein der Text von Michalis Pantelouris steht da ein wenig heraus, aber auch er ist am Ende wieder so scheiß-versöhnlich wie eine Schulpsychologin.
Die Jugendbeilage ist bis jetzt nur eine Anzeigenbeilage. Ich würde mich freuen, wenn sich das Heft das Trademark "jetzt" in den nächsten Ausgaben noch verdienen würde.
Mittwoch, 9. März 2011
Analog? Digital? Absage an den Klassenkampf der Medien
Ich kam aus dem Kopfnicken gar nicht mehr hinaus beim Lesen der treffend formulierten "Neun Thesen zum Qualitätsjournalismus von Christian Jakubetz.
Indes, der Artikel hat mich irritiert. Was Jakubetz bereits in der ersten These aufstellt ist ein Klassenmodell der Medien: digital vs. analog. Analog stirbt aus, digital ist besser. Entspricht das der Wirklichkeit?
Ich widerspreche der These vom Verschwinden des Analogen nicht, ich glaube sogar, dass die Auflösungserscheinungen so weit gehen, dass die Grenzen verwischen. Wir müssen den Klassenkampf leider absagen.
Viele klassisch-analoge Medien sind längst auf dem Weg zur hybriden Form. Die "ZEIT", auf Papier bietet in weiten Teilen längst keinen analogen Journalismus mehr. Denn das Online-Angebot ist so untrennbar verschränkt und so sichtbar, dass die "ZEIT" zu einer Marke geworden ist, die in beiden Welten zu Hause ist. Andersrum, ist ZEIT ONLINE ohne die Ergänzung durch das Blatt kaum denkbar.
ARD und ZDF besetzen - völlig zurecht und ihrem Auftrag folgend übrigens - mit ihren Mediatheken und dem redaktionellen Angebot wichtige digitale Brückenköpfe, auch wenn sie noch nicht hybrid sind.
Medien befinden sich gleichzeitig im digitalen und im analogen Zustand. Das trifft noch viel mehr auf die Journalisten zu. Richard Gutjahr ist genauso in der Abendzeitung und in seinem Blog präsent, wie er es beim BR ist. Richard hat aus Ägypten gebloggt und getwittert, das war Online-Journalismus vom Feinsten. Aber das kann er nur, weil das analoge Medium BR ihm die Ressourcen und Infrastruktur dazu bietet.
Um das Mediensystem zu beschreiben würden sich Sinus-Milieus wesentlich besser eignen. Es gibt sie dort, die Aufsteiger und Absteiger, die prekären Klickstrecken-Publizisten und die adaptiv-pragmatischen Flattr-Verlage. Digital oder Analog, das ist dann nur mehr ein Merkmal unter vielen.
Jakubetz ist konsequent, im weiteren Verlauf des Textes nur noch vom Journalismus zu sprechen, nicht mehr von den Medien, deren er sich bedient. Wenn analoge Medien und Journalisten die Möglichkeiten des Digitalen im Crossover nutzen, wird Online-Journalismus bald zum journalistischen Standard werden - auch gedruckt.
Sonntag, 7. März 2010
Süddeutsche is coming home
"Durch's Reden kumma d'Leit zam", sagen wir in der Oberpfalz. Oder Menschen und Produkte. Es hat sich was getan in meiner Beziehung zur Süddeutschen. Nach der vorsichtigen Annäherung und der großen Krise läuft die Sache richtig gut.
Nachdem ich letzte Woche erneut vor einem leeren Postkasten stand, wollte ich eigentlich endgültig Schluss machen und griff zum Hörer, wählte die Nummer der Abo-Hotline. Und da geschah Wundersames:
Ich trug meine Gravamina vor, bis mich die Dame am anderen Ende der Leitung fragte: "War die Postzustellung eigentlich Ihr Wunsch?" Es sei sehr ungewöhnlich, dass es in Ismaning keinen Träger gäbe. Sie würde das gleich klären und mich zurückrufen.
Der Rückruf kam prompt. Es stellte sich heraus, dass ein Tippfehler meine Straße aus dem System gekickt hatte. Schwuppdiwupp hatte ich morgens meine Süddeutsche per Austräger geliefert.
Für die SZ hat es sich gelohnt, dass sie in ihrem Call-Center sehr freundliche und bemühte Mitarbeiter hat - und ein paar Ortskundige, die wissen, dass Ismaning noch süddeutsch genug für die Süddeutsche ist.
Für mich hat es sich auch gelohnt. Ich sitze bei einer guten Tasse Kaffee; ich blättere mich zärtlich durch die Seiten der Wochenendausgabe und freue mich: Mehr zu haben als Nachrichten. Mehr als Information, mehr als Content und Klickstrecke. Mehr als ein Produkt. Eine Zeitung eben. Mein Aktionsabo läuft bis Ende des Monats, dann fällt die Entscheidung. Also: Weiter ranhalten, liebe SZ-Redakteure. Jetzt gilt's.
Sonntag, 21. Februar 2010
Zeit.de: Appetit auf das Print-Erlebnis
Viel wird über das Besondere an der gedruckten Zeitung geredet. Meistens fällt der Begriff Haptik, den wir dann heimlich nach dem Gespräch in Wikipedia eingeben. Zeitung kann man anfassen. Fassbar, begreifbar machen mag vielleicht auch das Ziel einer Veranstaltung von Zeit Online gewesen sein, die vergangenen Donnerstag im netten "Neuen Arena" in München stattfand.
Eigentlich ging es um Anzeigen; Fingerfood und der charmante Episodenfilm "New York I love you" waren ein netter Rahmen, um die "Produkte" vorzustellen. So weit, so wenig überraschend.
Überrascht hat mich der Auftritt von Wolfgang Blau, Chefredakteur von Zeit Online. In nur zehn Minuten machte er mir sein "Produkt" schmackhaft. Blau beschrieb das redaktionelle Konzept und die Mannschaft. Er beschrieb, wie sich die Zeit von Spiegel Online absetzen will und wo die Grenzen des Boulevardismus liegen. Und er beschrieb, wie wichtig es ist, die Lesbarkeit und die Anmutung des Blattes beim Online-Design zu übertragen.
Ich habe es ausprobiert, nachdem ich zeit.de die letzten Jahre beharrlich ignoriert hatte. Zeit Online bringt tatsächlich die Haptik ins Digitale, die alte Lust am Zeitung lesen. Ja, Herr Blau, keine Anzeige verkauft, aber einen Leser gefunden.
Mittwoch, 20. Mai 2009
Medien-Prostitution und PR
Es ist bei einigen Medien, Fachmedien wie Publikumspresse, inzwischen üblich, dass beim Redaktionsgespräch neben PR-Arbeiter, Redakteur und Kunde auch der Anzeigenbeauftragte demonstrativ mit am Tisch sitzt. Auf meinem Schreibtisch landen Faxe, die auf der einen Seite eine ganze Latte 'redaktioneller' Berichterstattung anbieten ("ein Interview über 2 Seiten, Nennung auf der Titelseite, Messevorabbericht") und auf der anderen den schon fertig ausgefüllten Anzeigenschaltplan mitgeben. Es handelt sich dabei wohlgemerkt und ein ehemals recht angesehenes Fachmagazin.
Auch der Redakteur eines Wirtschaftsmagazins sagt am Telefon ganz offen: "Die Geschichte ist interessant, aber wir haben so viele Anzeigenkunden, die wir erst bedienen müssen." Vom Privat-Radio kennt man es sowieso nie anders.
In vielen Redaktionen scheint eine panische Duldungsstarre für dererlei Koppel-Kuppelei zu herrschen. Nachhaltig ist das Ganze nicht, es ist ein gefährliches Nervengift für die Medien - und für die PR-Branche.
Gerade die Fachmedien schaufeln sich fleißig das eigene Grab, denn die Leser/Experten riechen gekaufte Schreibe sehr schnell. Der leicht süßliche Hautgout der Irrelevanz zieht durch den Raum, wenn das Magazin gezwungen durch das K-Geschäft am Leser vorbeischreibt. Es wird den Verfall vieler Print-Medien nur beschleunigen.
Für die PR aber ist diese Entwicklung ebenso bedenklich. Unsere Spezialität ist es, zusammen mit dem Kunden die Story herauszuarbeiten, das Angebot an den Journalisten zusammen zu tragen. Die Diskussion auf dem PRlen-Blog zeigt diesen Prozess sehr gut auf. Ist es der besondere Gesprächspartner? Ist es der einzigartige Einblick in die Entwicklungsabteilung? Wir bieten an, der Redakteur wählt aus. Das macht uns zu einem Glied in der Produktion von Öffentlichkeit.
Anzeigenplatz kaufen aber kann jeder. Und je schlechter und langweiliger die Story des Unternehmens, desto eher wird es zu diesem Mittel greifen und die PR links liegen lassen. Mit Koppelgeschäften machen wir uns genauso überflüssig wie die Medien, die darauf eingehen.
Um es mit der Weisheit der Hopi-Indianer zu sagen:
"Erst wenn das letzte Holzmedium vernichtet ist, werdet ihr erkennen, dass Anzeigenplatz kein Nachrichtenfaktor ist."
Freitag, 6. März 2009
Silberlicht ruft zum PR-Streik auf
Was aber, wenn Berufsgruppen streichen, deren Funktion in der Gesellschaft für die meisten Menschen absolut unklar ist: Bezirkstagspräsidenten, Bürokratiebeauftragte in Brüssel oder PR-Berater?
Wie lange würde unser Alltag ohne uns PR-Len funktionieren? Oder besser: Würde es überhaupt jemand merken?
Zuerst würde wohl ein leises Aufatmen durch die Redaktionen der Republik gehen. Keine Anja-Tanja-Anrufe, keine halbgaren Pressemitteilungen im Fax. Spätestens nach 2 Tagen ohne Kommunikationskräfte würde es seltsam still werden in den neuen Newsrooms und den edelfedrigen kleinen Schreibstuben des Landes. Kommt nichts? Keine Mails? Sollte ich mal Anja-Tanja anrufen?
Auf Twitter liefe ganz schnell gar nichts mehr ohne die treibende Kraft der selbstherrlichen Selbstdarsteller ("Heute wieder 342343453543457345 Neukunden abgefertigt. Alle Achtung!").
Viel schlimmer als der Aufwand, jetzt plötzlich selbst Themen zu recherchieren, wäre das furchtbare Gefühl der Vernachlässigung bei den Journalisten und noch viel mehr bei den Bloggern im Lande. Bin ich nicht mehr wichtig? Fragt mich keiner mehr?
Unsere geliebte Medienzielgruppe würde uns in Grund und Boden schreiben. Wie wir uns das erlauben könnten. Ob wir keinen Funken Verantwortung mehr hätten. Die BILD-Zeitung würde uns auf eine Stufe mit den Vorauskasse-Ärzten stellen.
Ihr würdet uns hassen, weil ihr uns liebt. Keine Angst, wie lieben euch auch, liebe Medienzielgruppe. Wir sind Profis, wir kommunizieren mit Herzblut und wir bringen mit euch zusammen Meinungen in Bewegung. Wir pitchen per Twitter, wenn eine Diva das will. Wenn ihr das so wollt, tanzen wir für euch. Alles nur um euch zu zeigen: Wir sind besser als Ärzte!
Donnerstag, 19. Februar 2009
Sportbild verrät Schalkes Derby-Aufstellung!

Doch die grundsätzlich erfolgsversprechende Idee, statt 11 hilflose Spieler nun 500 knackige Polizisten auf den Platz zu stellen, wirft auch Fragen auf:
- Treten die Beamten in Grün auf oder in Königsblau?
- Hat die Krise jetzt Gelsenkirchen erreicht und muss hier der Staat einsteigen?
- Wird aus Schalkes Ersatzbank jetzt die Bad Bank der Bundesliga?
Montag, 29. Dezember 2008
Rundfunk, Blogger und die Gebühren
Schauen wir an diesem in weiten Teilen arbeitsfreien Tag in die Medien über Medien:
Während die einen gerade ein Schmierentheater abziehen, befasst sich Michael Meyer im Deutschlandradio sehr fundiert mit der Recherche als journalistischer Grundkompetenz. Und Matthias Schwenk überlegt, in wie weit Netzzeitungen und Blogger die Funktion der klassischen Medien ins Internet tragen könnten.
Diese beiden sehr klugen Beiträge landen letztendlich beim Geld. Meyer berichtet über die Vorschläge, eine Stiftung für Qualitätsjournalismus aufzubauen, weil weder die Qualitätsdruckerzeugnisse noch das Öffentlich-Rechtliche System in der Lage sind, diese Art des Journalismus zu finanzieren. Meiner Meinung nach sollten dann aber Journalisten alimentiert werden, nicht Medien. Es kann nicht sein, dass die zur journalistischen Grundversorgung verurteilten Öffentlich-Rechtlichen dazu nochmal Extra-Geld brauchen.
Schwenk geht gleich einen Schritt weiter und hat ihn vielen Dingen recht, in zwei Punkten aber muss ich widersprechen.
- Schwenk empfindet die Vielfalt der Redaktionen als unnütz, besonders in Zeiten des Internets. Erstens zeigt diese Argumentation ein seltsames Verständnis von demokratischer Meinungsbildung, zweitens widerspricht sie sich in sich selbst. Was das Internet prägt, ist gerade die Vielfalt der Meinungen und Ansichten. Meinungen werden nicht besser, weil sie einhelliger werden. Meinungen leben von der Vielfalt und wenn seriöse Medien mehr fundierte Meinungen produzieren, ist das vielleicht nicht effizient, hilft aber die gesellschaftliche Funktion der Medien zu erfüllen.
- Schwenk vergisst außerdem, das Geld den Charakter ruiniert. Ist so. Die Meinungvielfalt und Meinungsgüte in der Blogosphäre ist wunderbar. Gerade weil sie in weiten Teilen auf ehrenamtlichen Experten beruht. Kommt Geld in dieses System, steigt automatisch der Zwang zur Professionalisierung und Effizienz. Kurz: Wir landen am Ende bei einem ähnlichen Mediensystem. Das ist nicht schlecht, aber wieso für etwas Extra-Geld in die Hand nehmen, dass wir bereits haben?
Donnerstag, 25. September 2008
Oktoberfest gleichgeschaltet.
Für den PR-ler sind beides Pflichtblätter, daher werden sich heute einige fragen, ob sie nach dem gestrigen Wiesnbesuch doppelt sehen. Prost.
Donnerstag, 18. September 2008
Alles liegt ganz nahe zusammen - in Hessen
Anscheinend liegen auch die Intelligenzquotienten von schimmligen Brot und der Hessen-SPD ganz nahe beieinander. Da lässt der bisher vollkommen unbedeutende Sender ffn einen Fake-Münte mit der echten Ypsilanti telefonieren. Die fällt wohl neun Minuten drauf rein, wovon 1,5 Minuten ständig auf YouTube auftauchen. Und nicht mehr wegzubekommen sind. Dumm gelaufen für die SPD.
Was kann man da tun? Man könnte es auf sich beruhen lassen. Man könnte darüber lachen und sagen, dass der Fake-Münte echter geklungen hat als der Real-Münte. Schließlich hat Ypsilanti sich wacker gehalten und nicht blamiert. Weil aber alles so nahe zusammen liegt, tut die Hessen-SPD das ihr Naheliegendste und zeigt jetzt den Sender an!
Jawohl, so dumm wie die reagieren werden sie wahrscheinlich bald regieren in Hessen. Das liegt ja nahe.
Freitag, 5. September 2008
Handwerklich gut gemacht
Auch Prof. Dr. H. P. Nast, Chefarzt aus Offenbach, das, wie Bild richtig vermerkt, in Hessen liegt. Dr. Nast meint, das Seite-1-Girl ist nichts für ihn, den Rest fände er aber handwerklich gut gemacht. Was hieße, dass das Seite-1-Girl handwerklich nicht so gut gemacht ist. Bei den Brust-Konstruktionen mancher Seite-1-Opfer komme ich zu dem gleichen Schluss.
Donnerstag, 24. Juli 2008
Ist Strauß so schlimm wie Hitler?
Die FTD liefert Hintergrund: Madame Tussaud's stellt eine Wachsfigur des Über-Bayers in einer Sonderausstellung "Helden und Bösewichte" aus, ohne ganz eindeutig zu werden, ob der Auslöser der Spiegel-Affäre nun eher in einer Reihe steht mit Kanzleramtsspion Günter Guillaume oder eher mit Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg.
Sohn Max zitiert die FTD dazu mit den Worten: Das "passt nahtlos in die Geschichte, Hitler auszustellen".
Na, ganz so ein Bösewicht war Strauß dann auch wieder nicht.
Dienstag, 22. Juli 2008
Kriegsverbrecher im Portrait
Freitag, 4. Juli 2008
Den Bock zum Gärtner machen
Verwunderlich auch. Die FR frägt anscheinend gerne beim WDR um Stellungnahmen an (und bekommt sie nicht). Der eigene Standesverband allerdings bleibt ungefragt.
Donnerstag, 3. Juli 2008
Skoda fährt in den Horizont
Beim Autokauf und höchster Not
bringt der Mittelweg den Tod.
Insofern ist die Überschrift nicht in der goldenen Mitte, nicht auf dem Mittelweg, sondern einfach nur auf dem Holzweg.
Mittwoch, 2. Juli 2008
Eine kleine Geschichte über Zeitungen
Nun ist die Tageszeitung schon öfter tot gesagt worden. Das Radio, das Fernsehen, und seit etwa 10 Jahren das Internet galten als Killer. Allerdings stand bei der Debatte stets die publizistische Funktion im Vordergrund. Die Zeitung konnte immer mit einer Wandlung oder Zuspitzung ihrer Funktionen reagieren. Nun aber geht es an den Kern des Geschäftmodells der Zeitung.
Ist das so?
Aus der Redaktion der Augsburger Allgemeinen ist zu hören, dass es zumindest diesem Blatt so gut wie nie geht. Auch bei sinkender Auflage sprudeln die Gewinne, die Redakteure sind gut drauf. Bei den sparsamen Schwaben soll es so gut laufen, dass sie händeringend Leute suchen und sogar bereit sind, wieder ordentlich zu zahlen. Von digitaler Depression also keine Spur. Kleiner Fehler bei der Sache: In der Stadt Augsburg selbst bekommt die AA keinen Fuß mehr auf den Boden. Stabil ist die Leserschaft auf dem Land.
Dagegen höre ich aus der WAZ-Gruppe einen anderen Gesang. Dort gäbe es Arbeitsverträge nur noch auf Tagelöhner-Basis, DER WESTEN läuft gut, aber Print stagniert munter vor sich hin.
Ich bin hingerissen, daraus eine allgemeine Theorie abzuleiten:
In den urbanen Gegenden (und in den neuen Bundesländern) werden die lokalen Tageszeitungen einen unschönen, weil langsamen und publizistisch anrüchigen Tod sterben. Denn der Zeitungsleser Nachwuchs ist einfach nicht da.
Auf dem Land werden wir extrem lokale Blättchen haben, die ihre Leserschaft finden. Hier wird es die Zeitung noch 15 Jahre machen. Dann ist Schluss.
Freitag, 20. Juni 2008
Irrlichter in der Welt online
"Dämme in Damme, Mississippi oder Dümmer"
