Im Silberlicht des Mondes scheinen Geschichten wahr, die im goldenen Sonnenlicht nicht bestehen würden. Dieser Blog erzählt von den Möglichkeiten und Unmöglichkeiten der PR, Medien und der Werbung. Stephan Eichenseher ist Senior PR-Berater bei wbpr_ Kommunikation. Seine Schwerpunkte sind Corporate Communication, Innovationskommunikation und Online-Kommunikation.
Mittwoch, 27. November 2013
Demokratie & Social Media: Digitaler Staub
Ein klare Absage an die liquid democracy-Thesen der Piraten: Politischer Diskurs lasse sich nicht mit einem Like oder mit dem Abschicken einer E-Petition führen. Aber mir stellt sich die Frage, ob es historisch jemals mehr Beteiligung gab, ob nicht demokratischer Diskurs schon immer einem sehr, sehr engem Zirkel vorbehalten war. Weil er schon immer mühselig, langwierig und komplex war. Weil sich nie mehr Menschen als jetzt an ihm beteiligen konnten, weil ihnen Zeit und Mittel fehlten. Und weil sie eh nicht gehört worden wären.
Vielleicht macht Social Media dieses Defizit nur sichtbarer. Insofern wäre jedes Like, jeder Trollbeitrag ein Plus an Demokratie.
Freitag, 25. Januar 2013
Die Samba-Fans der FDP
Bei gut 80 Prozent liegt der Anteil der Fans aus Deutschland der meisten Parteien, die restlichen Fans verteilen sich ziemlich gleich. FDP und die Linken dagegen kommen nur auf 60 bzw 66 Prozent. Nun mögen die beiden Kleinparteien international besonders gut aufstellt sein. Bei den Linken sind nach den Deutschen die Italiener mit 5 Prozent am häufigsten vertreten. Wieso? Woher kommt diese transalpine Begeisterung?
Und bei der FDP: Auf den weiteren Plätzen folgen Frankreich und die USA mit Werten, die den anderen Parteien entsprechen. Wer betreut eigentlich den Facebook-Auftritt der FDP? Ich würde da gerne mal nachfragen, welche Fan Kampagne so erfolgreich war.
Das "Länder"-Feature von socialBench (Disclaimer: Kunde) ist übrigens sehr praktisch, wenn man sich der Herkunft der Fans nicht nur auf der eigenen Seite, sondern auch bei Wettbewerbern ansehen will, zum Beispiel um das Fan-Potenzial im jeweiligen Land zu analysieren.
Update (21.02.)
Die Süddeutsche berichtet heute über den Verdacht gekaufter/gefälschter Twitter-Follower bei der FDP.
Freitag, 18. Januar 2013
Die Münchener OB-Kandidaten im Facebook Benchmark (1)
Das Tool
Ich verwende socialBench, weil sich mit dem Tool sehr leicht Facebook-Seiten analysieren und bewerten lassen. Die Besonderheit von socialBench sind die "Social Points", die das Tool vergibt. Damit lassen sich leicht Benchmarks erstellen, wie sie Social-Media-Verantwortliche im Unternehmen brauchen um die eigene Performance zu bewerten. Seit heute habe ich die Seiten in socialBench-Datenbank eingetragen, nun trackt das Tool sie dauerhaft, ohne dass ich mich drum kümmern muss.Das Untersuchungsobjekt
Erfasst habe ich folgende Seiten:- Dieter Reiter
- Josef Schmid
- Dr. Michael Mattar
- Sabine Nallinger hat bis jetzt nur ein privates Profil. Sobald ihre Seite steht, nehme ich sie in die Messung auf.
Das Benchmark
socialPoints vergibt nach einem geheimen Algorithmus Punkte. Es zählen Aktivität, Fanwachstum, "Sprechen drüber", Eigene Beiträge, Fanbeiträge und die Antwortgeschwindigkeit. Das Besondere: Mit diesem Benchmark lassen sich auch Seiten höchst unterschiedlicher Fanzahl vergleichen.Erste Ergebnisse
Da alle drei Seiten gerade erst in die Datenbank gewandert sind, gibt es bisher nur wenige Daten.Bei den Fans liegt Dieter Reiter klar in Führung mit über 1.800 Fans. Reiter war der erste Kandidat mir eigener Seite und hatte dementsprechend schon mehr Zeit, Fans einzusammeln. Reiters Fans sind auch wesentlich internationaler. Die Geographie der Fans ist ein sehr neues Feature von Social Bench. Viele Tools liefern diese Daten nur für eigene Seiten. Damit lassen sich in einigen Fällen zum Beispiel gekaufte Fans schnell entlarven. In diesem Fall gibt es aber keine Auffälligkeiten.
Das nächste Benchmark - mit wesentlich mehr Daten - folgt dann im Februar.
Montag, 24. Dezember 2012
Das Gott und der politische Shitstorm
Weihnachten und Neujahr inspirieren uns, wichtige Fragen zu stellen, zu deren Beantwortung wir im Trubel des Jahreslaufs nicht kommen. Was war, was wird? Geht die Welt unter? Wie halt ich's mit der Religion? Spezialisierst auf solche zeitaufwändigen Fragestellungen ist natürlich Die ZEIT, und wahrscheinlich weil man vor Weihnachten noch einen Aufreger brauchte, fragte man halt jemanden, der in seiner Unbedarftheit verlässlich ebensolche produziert: Kristina Schröder. Die entblödet sich nicht und erklärt, dass man statt der Gott auch das Gott sagen könnte. So weit, so wenig.
Und mit diesem vermeintlichen Aufreger löst die alte Tante aus Hamburg einen Kurzschluss im politischen System aus, das entweder vor Weihnachten komplett unterbeschäftigt ist und Zeit zum Plappern hat oder angesichts der immerwährenden Euro-, Finanz- und Schuldenkrise nach Entlastung sucht.
Als Erstes spricht Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) und sagt, das mache sie sprachlos. Katharina Reiche (CDU), Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, bleibt von jeglicher Sprechscham verschont und gibt von sich: "Der liebe Gott bleibt der liebe Gott."
Nun melden sich auch Männer zu Wort und stellen sich vor Klein-Kristina, zum Beispiel der Sprecher von Schröders Ministerium, Christoph Steegman. Er verweist weise auf die höchste irdische Autorität bei diesem Thema: den Papst. Das kann der Leiter des Kommissariats der katholischen deutschen Bischöfe, Karl Jüsten, nicht so stehen lassen und nimmt Schröder ebenfalls in Schutz, weil das Ganze mit den "Kategorien des Gendermainstreamings" nicht zu fassen sei.
Bei der ZEIT hat man sich dieses wohl-inszenierte Domino des Sinnfreien wahrscheinlich mit Vergnügen angeschaut, konnte aber nicht umhin, auch noch einen Kommentar nachzuschießen, welche Belastung Schröder für die Union sei.
Hätte dieser Flashmob der Unbedarften seinen Ursprung auf Facebook gehabt, hätten sich genau die gleichen Leute über die Diskussionskultur dort beklagt. Wahrscheinlich wären Forderungen nach Mäßigung (Die ZEIT), dem Internet-Radierer (Ilse Aigner) oder einem grundsätzlichen Verbot von Facebook und allem anderen (Innenminister Friedrich) aufgekommen. So aber suhlt sich das politische System samt der beteiligten Medien im selbst aufgewirbelten Dreck und findet es auch noch schön.
Sonntag, 26. August 2012
Mein Syrien
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| Die Nomaden in der Wüste Syriens nahmen uns damals auf. |
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| Der Markt in Aleppo |
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| Assads Konterfei an den Hauswänden |
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| Ein Junge verkauft Gebäck |
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| Eine Frau auf dem Platz vor der Umayyaden-Moschee |
Sonntag, 17. Juni 2012
München muss in der Euro-Zone bleiben!
Ja, München hat heute die Wahl. Will es weiter in Cabrios, Biergärten und Blondinen schwelgen wie es die extremen Parteien versprechen. Oder soll München so langweilig werden wie Frankfurt, so normal wie Berlin oder so regnerisch wie Hamburg, wie es Seehofer fordert.
München hat sich durch seine katastrophale Schuldenpolitik ja selbst in die missliche Lage gebracht. Die Bürger lebten einfach über ihre Verhältnisse. Den ganzen Tag nur Latte Macchiato und Hugos im Tambosi, Oktoberfest und der Schubeck, das kann auf Dauer nicht gut gehen. Faulheit, Schlendrian und Social Media ergeben einen giftigen Mix für die Stadtkasse.
Finanzminister Schäuble ist besorgt, dass die Münchener Verhältnisse sich auf die ganze Euro-Zone ausweiten. Zusammen mit Angela Merkel hat er nun eine Rettungsbreze gebacken, die sie den im Schuldenmeer ertrinkenden Münchnern zuwerfen wollen.
Noch-OB Ude wehrt sich gegen die Sparmaßnahmen. Er droht mit der Rückkehr der Weißwurst, sollten sich die Nachbarländer weiter gegen den Aperol Spritz auf dem Gärtnerplatz wehren.
Freitag, 13. April 2012
Künstler sind nicht überflüssig
Es ist sehr anstrengend, auf den Zehen über die Bühne zu springen und ich war froh, dass es für so etwas professionelle Tänzer gibt und ich nicht selbst eng anliegende Hosen anziehen muss, wo man alles sieht, oder Tütüs.
Wenn jetzt die Piraten an die Macht kommen, wird es keine Künstler mehr geben, weil sie alle verhungern oder von Hartz IV leben und SuperRTL anschauen statt Ballett zu machen und Musik und Bilder und so. Das ist unbequem für uns alle, weil wir dann die Kunst selber machen müssen. Denkt mal an all die Bilder, die ihr dann jeden Tag malen müsstet! Was für ein Rumgekleckse in der Wohnung.
Und dann das Komponieren erst. Wie sollen wir das Handelsblatt lesen, wenn wir gleichzeitig Violinschlüssel und Triolen auf's Papier bringen müssen? Und dann ist das Zeug ja noch nicht mal gespielt! Am Schlimmsten wird aber das Tanzen.
Freitag, 6. April 2012
Handelsblatt: Die Richtigen im Falschen
Was sie sagen, ist in weiten Teilen richtig. Ohne Geld gibt es keine Kunst und keine Künstler. Kunst muss man sich leisten können. Gebt dem Künstler, was des Künstlers ist. Mein Problem: Sie sagen das Richtige im Falschen. Die ganze Geschichte geht von einer erzwungenen Umsonstkultur aus, die die Piraten nicht im Programm haben. Ich habe gesucht, ich konnte es nicht finden.
Einige der klugen und durchaus streitbaren Köpfe der Branche sind Mitglied der Piratenpartei und scheinen keine Angst vor einer kommunistischen Revolution und der Enteignung zu haben, anders als die hundert Handelsblätterer. Was soll also die Kampagne, an der sich das Handelsblatt in der Karwoche genauso beteiligte wie die FAZ und die Süddeutsche? Wieso wird die Debatte um Bürgerrechte im Internet verdreht zu einer Debatte um die Verwertungsrechte?
Zu den bürgerlichen Freiheiten, gehört auch das Recht, Geld zu verdienen. Und das Recht, mit einem neuen, besseren Geschäftsmodell die überkommenen Wettbewerber vom Markt zu nehmen. Und darum sollte sich das Handelsblatt kümmern und hundert schlaue Köpfe finden: Neue Geschäftsmodelle finden für die Kunst und die Demokratie in den Zeiten ihrer technischen Reproduzierbarkeit.
Dienstag, 3. April 2012
Die Piraten und der hilfreiche Backlash
Ich wünsche mir, dass dieses Einschlagen sich in einer Präzisierung der Wortwahl und der Botschaften bei den Piraten niederschlägt. Das Wort Debatte kommt von 'schlagen' und im Schlagabtausch ist es wichtig zu wissen, wo der Freund steht und wo der Gegner.
Was die Debattierer der Piraten allesamt nicht leugnen, ist die Notwendigkeit der Diskussion über das wichtigste Thema der Piraten: Meinungs- und Bewegungsfreiheit im Internet und der Widerstand gegen alle Bestrebungen, diese Freiheiten zu Ungunsten der Bürger verschieben.
In der großen Pauschalierungsmaschine wird das gerne auf den Komplex Urheberrecht/Bezahlung von Künstlern reduziert. Und viel zu oft interpretieren Mitglieder der Piraten diese Freiheit als Freiheit ohne Verantwortung.
Ich wünsche mir, dass die Piraten den Backlash nutzen, hier eine saubere Position zu finden. Dann klappt das auch wieder mit den Medien.
Sonntag, 1. April 2012
Social Media, die Erregung und die Wahl 2013
Kleiner Rückblick: 2009 war es schon spürbar; die Parteien waren ins Netz gekommen, um zu bleiben. Damals war ein Facebook-Account für eine Partei schon eine Aussage. Obama und sein Twitter-Wahlkampf hatte Wellen geschlagen, die seitdem in die Wahlkampf-Budgets schwappen.
Die Plattformen sind besetzt
In den vier Jahren seitdem haben sich die Parteien von damals im Netz positioniert - und stehen doch angesichts der Piraten ziemlich ratlos da. Da gibt es CDUplus (beta), was sich eher wie der "Arbeitskreis Senioren" anhört, wohl aber eine Kampagnenplattform für die Internetaffinen unter den Anhängern ist.
Die Grünen haben ihre Verantwortung für vom Aussterben bedrohte Netzwerke erkannt und promoten deshalb auch noch StudiVZ und wer-kennt-wen auf ihrer Website. Ansonsten wirkt die Startseite von allen großen Parteien am wenigsten social - sprich, die Grünen kommunizieren sehr viel mehr ihre Themen, begeben sich nicht auf das Niveau des Politik-Pinterests und verzichten auf bunte Bildchen. Bis jetzt, denn ich wette, dass vor der heißen Phase des Wahlkampfes noch ein Relaunch von www.gruene.de ansteht.
Auf der Website der SPD scheinen die Social-Media-Elemente am natürlichsten integriert. Da macht es auch Sinn, wenn Teresa Bücker, Social-Mediteuse der SPD, in einem Post im umfangreichen Blogbereich vor reinen Netz-Kampagnen ohne politische und lokale Verankerung warnt.
Die Piraten: Mobilisierung durch Erregungspartikel
Wie wird sich das Gesicht der Parteien im Netz wohl ändern, wenn die Parteien auf die Piraten reagieren, reagieren müssen? Die Piraten haben Social Media als reine Erregungsökonomie verstanden. Anders als in den klassischen Medien ist das wertvollste Gut hier nicht allein die Aufmerksamkeit, sondern die Erregung. Katzen-Content oder Anti-Acta, das spielt in der Erregungsökonomie keine Rolle mehr.
Entscheidend ist die "Teilbarkeit", also die Qualität eines Inhalts, die ihn wie eine Welle der Erregung von Knoten zu Knoten im Netz wandern lässt. Wie bei einer aus dem Ruder gelaufenen Facebook-Party mobilisieren die Piraten mit Hilfe von hochgradig teilbaren politischen Meme Menschenaufläufe - in Social Media, in den klassischen Medien und auf den Plätzen der Großstädte. Debattierbar, also auf dem Prüfstand der politischen Diskussion nachzuhalten, sind die Piraten in weiten Teilen nicht, darauf verweist auch Michael Spreng in seinem Post über die "Gummiwand-Partei".
Hält die Demokratie soviel Erregung aus?
Die Bundestagswahl in Social Media wird deshalb so spannend, weil sich erst noch zeigen muss, wie lange die Bürger den Erregungszustand des Wellenwahlkampfes aushalten. Am Ende könnte sich in der ganzen Erregung der Plattformen, Netzwerke und Lautsprecher herausstellen, dass den Parteien und der Demokratie die Debatte abhanden gekommen ist.
Für Unternehmen lässt sich bis 2013 noch viel lernen von den Parteien. Wo sollen sie auf Erregung setzen, um Menschen für ein Produkt zu mobilisieren und schnell Wellen zu schlagen? Wo müssen sie Aussagen, debattierbare Standpunkte und Dialoge in Social Media nachhalten, weil sonst strategische Ziele in Gefahr sind? Ist Social Media überhaupt ein Kanal für Inhalte jenseits der Erregung? Es wird spannend - und jetzt zurück zum Frühling.
Donnerstag, 8. März 2012
Wulffs Zapfenstreich ist richtig
Dass Wulff den Großen Zapfenstreich bekommt ist keine letzte Ehre für ihn. Es ist eine letzte und endgültige Demütigung, die er über sich ergehen lässt - vielleicht auch, um Buße zu tun.
Wie leicht wäre es gewesen, auf den Staatsakt zu verzichten, heimlich zu verschwinden wie ein Dieb in der Nacht und den Ehrensold zu kassieren. Aber der Staatsbetrieb ist erfrischend wehrhaft, die Demokratie hängt die Schurken nicht mehr auf, sie stellt sie bloß.
Und genau das wird Wulff heute passieren. Eine ganze Nation wird sehen, wie die Demokratie dem gefallenen Präsidenten den Marsch bläst. Der Staat zeigt dem politischen Personal, dass es auch ohne sie geht, dass eine lebendige Demokratie sehr gut mit Berlusconis aus Niedersachsen umgehen kann. Hier spielt die Musik.
Man macht aus deutschen Eichen zu Recht keine Galgen für die Reichen. Aber das Stabsmusikkorps wird heute zeigen, aus welchem Holz die Bundesrepublik geschnitzt ist.
Sonntag, 26. Februar 2012
Liebling, ich habe die Wirtschaft geschrumpft!
Beim Thema Schrumpfen fällt einem in Deutschland zuerst die Wirtschaft und dann die FDP ein. Letztere ist bald nur noch eine liberale Fußnote, was sehr schade ist. Für erstere besteht das Problem, dass das nicht schnell genug geht und Philipp Rösler weiter völlig ideenlos als Wirtschaftsminister agiert.
Wo das hinführt, sieht man sehr gut an der neuen Broschüre "ENERGIEWENDE!", die Röslers Ministerium für viel Geld produzieren und unter anderem der Süddeutschen beilegen ließ. Die Kernaussage des nett gemachten Heftchens ist: "Energiewende? Gerne! Solange es niemanden was kostet. Sonst lassen wir das lieber wieder sein."
Nun weiß der Lanz-Freund Rösler, dass die Energiewende sicher nicht zum Nulltarif kommen wird. Im Gegenteil, sie wird teuer, richtig teuer, da sind sich alle einig. Was Rösler also wirklich sagt, ist, dass es mit ihm als Wirtschaftsminister keine Energiewende geben wird. Dass es die Industrie nicht mal versuchen muss.
Zum Glück gibt es neben den Dinosauriern, die Rösler mit seiner Politik aus dem Mesozoikum schützen will, in der deutschen Wirtschaft noch genug Innovatoren, die wissen, dass Reservate keine auf Dauer lebensfähigen Ökosysteme sind. Sie sind längst dabei, größtenteils ohne staatliche Förderung Lösungen für die Energiewende zu entwickeln.
Beispiel gefällig? Die Münchener m+p consulting hat sich Elektromobilität auf die Fahnen geschrieben. Infrastruktur, Fuhrparklösungen und Fahrzeuge gehören mit zum Angebot. Dort denkt man weit über Elektroantriebe hinaus und sieht die Energiefrage im Gesamtkontext. Gespannt sein darf man auf den Kongress am 28. und 29. März im Verkehrszentrum des Deutschen Museums in München (und am 10. und 11. Mai in Berlin).
Beispiele wie diese gibt es viele. Da sind die Gründer von enbreeze, die kleine Windkraftanlagen effizient machen. Oder fos4x, deren Technologie bei großen Anlagen für geringere Wartungskosten sorgt. Man sagt den deutschen Ingenieuren ein zwanghaftes Effizienzstreben nach. Genau das macht die Energiewende zur großen Chance für ingenieursgetriebene Unternehmen. Die Supertanker, die Rösler schützen will, sind dem Untergang geweiht, wenn sie die Wende nicht mit vollziehen können. Kleine Schnellbote werden es sein, die die Marktchancen ergreifen werden.
Nur: Ohne die Industrie in die Pflicht zu nehmen, wird es nicht gehen. Auch wenn das höhere Kosten und weniger Komfort für den Verbraucher bedeutet. Die Ideenlosigkeit von Röslers Ministerium wird viel mehr Arbeitsplätze kosten als teurer Strom. Angst vor dem Wandel kostet nämlich die Zukunft.
Montag, 30. Januar 2012
Der Fall Heveling und die journalistische Verantwortung
Natürlich kann ich als "geschichtsbewusster Politiker" dampfwalzend über Blut, Schlachten und Krieg reden. Oder über "digitale Maoisten" im "web 2.0" (hat man das heute noch?). Es ist genauso wenig differenziert und genauso inhaltlich falsch wie das grottenschlechte Anonymous-Video. Heveling ist mir schon
Ich stelle mir nur die Frage, wie die Redakteure des Handelsblattes so etwas auf die Website heben können. Klar ist das ein Diskussionsbeitrag, aber muss sich ein Bundestagsabgeordneter dafür lächerlich machen? Gibt es etwas wie eine Qualitätskontrolle beim Handelsblatt?
Wer meint, die publizistische Relevanz in einem der wichtigen deutschen Wirtschaftsmedien nur auf dem Niveau von RTL-II herstellen zu können, sollte es genau dort versuchen.
Update:
Ganz heuchlerisch überrascht gibt es jetzt auch einen Bericht über die selbst inszenierte "Protestwelle" die den Abgeordneten "überrollt" habe: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/ansgar-heveling-protestwelle-ueberrollt-netzkritischen-cdu-abgeordneten/6129254.html
Dienstag, 6. Juli 2010
Das bisschen Haushalt
Dass Angela Merkel nach Hausfrauenart regiert, kann ihr ernsthaft niemand vorwerfen. Außer die Initiative Soziale Marktwirtschaft. Die INSM sieht sich selber gerne als Think Tank der Arbeitgeberverbände.
Gut, denn Unternehmer müssen komplex denken und einfach kommunizieren. In der aktuellen Anzeige in der SZ zeigen sie, dass es auch andersrum geht.
Montag, 28. September 2009
Gekommen um zu bleiben
2009 wird als das Jahr in die Geschichte eingehen, in der die deutschen Parteien die Politik und den Wahlkampf ins Internet getragen haben. Sie sind unter uns. Wir werden uns an sie gewöhnen müssen.
Die Parteien haben 2009 Mut bewiesen, mehr Mut als so manches Unternehmen. Erstaunt sahen die Digital Natives zu, wie CDU, SPD, FDP, Grünen, Linken und Piraten die Tools in die Hand nahmen, die wir ihnen so laut angepriesen hatten. Sie haben viele Fehler gemacht. Sie haben sich anders verhalten, als wir es ihnen in lustigen Manifesten niedergeschrieben hatten. Aber sie haben durch ihr Handeln die Regeln verändert und Fakten geschaffen, wo viele Experten noch theoretisierten.
Mit viel Geld und Manpower wurde die ganze Bandbreite von Social Media zum Einsatz gebracht: Facebook, Twitter, Xing, YouTube. Es wird spannend, wie viel von dieser Leistungsschau des politisierten Social Media Engagements übrig bleibt. Aber irgendwo ist immer Wahl, und die Investitionen und Erfahrungen in der neuen Welt waren nicht umsonst.
Die Parteien müssten Netzwerke werden, forderte Florian Semle beim jüngsten Social Media Club in München. Dabei sind Parteien nichts anderes als Netzwerke. Was die Parteien in Social Media aufgebaut haben sind Plattformen. Gute, weitgehend funktionierende Plattformen.
Wir, die wir Unternehmen beraten wollen, sollten sehr genau analysieren, was uns die Parteien da vorgemacht haben. Wir können viel lernen vom Mut, es einfach zu tun.
Mittwoch, 8. April 2009
Guttenberg will 2 Mio. Bürger abwracken!

Die Reihung der Meldungen auf tagesschau.de macht deutlich, wo die Reise im Krisenland hingeht. Wirtschaftsminister Von&Zu hat noch keine Details bekannt gegeben, aber ich würde sagen, 2500 Euro pro Bürger sollten es schon sein. Wirtschaftsexperten warten, die Prämie würde vor allem ausländischen Herstellern zu Gute kommen. Von den Grünen hieß es, das Programm enthielte keinerlei ökologische Komponente und sei deshalb abzulehnen.
Dienstag, 7. April 2009
Geschichten aus dem Norden
Samstag, 28. März 2009
Bahnchef Mehdorn ist eine sichere Bank
Dienstag, 28. Oktober 2008
Böser Verdacht 1 + 2
Halt, dem Huber seine Bayerische Landesbank lässt verlauten, dass sie gerne ein wenig von dem Kuchen haben möchte, den der gleiche Huber gar nicht hat backen wollen. Und wieder der Böse Verdacht: Der Vorstand dieser Bank glaubt, dass er mit dem Rettungspaket seine Bezüge auf 500.000 Euro nach oben drücken kann.
Montag, 27. Oktober 2008
Die Antwort kennt nur der Sinn
Sinns Antwort auf die Frage im Tagesspiegel ist so daneben, dass man eher an seinen geistigen Kräften zweifeln möchte als an seiner Gesinnung. So dumm, dass ich zuerst dachte, er hätte sie in der Sonntagssendung von Anne Will gegeben. Anne Will hätte was was drum gegeben, wenn Sinn so einen ausgemachten Blödsinn (sorry) in ihrer Sendung gesagt hätte, statt dem normalen Blödsinn, der dort jede Woche abgesondert wird.
So aber hat Sinn die Antwort, die er höchstwahrscheinlich selbst autorisiert hat, jetzt schwarz auf weiß vor sich und er wird sich fragen, wie er all die Manager, Anreize, Inder, Autos und Sündenböcke vermengen konnte in einer Antwort. Er wird sich fragen, ob er das nicht hätte wissen müssen. Oder wollte da einer den Ranicki machen?







