Samstag, 13. Februar 2010

Süddeutsche, das ist deine letzte Chance

Update 18.02.09:

Die SZ kommt per Post, nicht wie versprochen per Träger. Mit der Frühstückslektüre wird es also nichts. Am Beginn einer neuen Beziehung kann man sich solche Fehler nicht leisten, liebe Süddeutsche.

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Liebe Redaktion der Süddeutschen Zeitung,
ich gebe euch eine letzte Chance. Nach 15 Jahren Abo habe ich euch anlässlich der Preiserhöhung letztes Jahr den Geldhahn zugedreht. Sorry nochmal, aber ich hatte einfach keine Zeit mehr, weil ich mich soviel um Social Media kümmern musste.

Aber jetzt wohne ich nicht mehr so weit vom Büro weg und kann mir euch wieder leisten. Deshalb habe ich euer Angebot gerne angenommen, der SZ sechs Wochen lang für 31 Euro eine Chance zu geben. Ich bin gespannt.

Bitte liebe Redaktion, gebt euer Bestes in dieser Zeit.

  • Ich hätte gerne Streiflichter, die süßlich bitter schmecken und gut gepfefferte Leitartikel von Heribert Prantl.
  • Ich hätte gerne ein Feuilleton, einen Wirtschafts- und Medienteil, die sich in meinem Arbeitsumfeld auskennen und nicht alles elektronische verteufeln.
  • Ich will eure Analyse über die Qualität der Arbeit im Stadtrat wie im Europaparlament.


Vor allem aber will ich von Euch den Beweis, dass die Zeitung als Medium immer noch funktioniert. Dass es möglich ist, mir jeden Morgen die Welt gut recherchiert, fein analysiert in Hirn gerechten Portionen auf den Frühstückstisch zu liefern. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Blogger und Twitter keinen Journalismus eurer Klasse ersetzen - aber ich muss es wissen. Ich bin mir fast sicher, dass ich auf Digg und Yigg weniger gut über die Geldverschwendung bei der Bayerischen Landesbank erfahre - aber ich muss es wissen.

In meiner Zeit als SZ-Abonnent habe ich viel Wissen aus der Lektüre gezogen, vielleicht sogar so etwas wie Bildung. In meiner zeitungsfreien Zeit habe ich gemerkt, dass zu wenig relevantes Wissen hinzukam - zu wenig Ideen, Inspirationen.

Insofern könnt Ihr diesen Beitrag gerne als Liebesbrief sehen, liebe Redaktion. Aber als mahnenden. Ihr habt sechs Wochen Zeit (ab Mittwoch!), euer Bestes zu geben. Hängt euch rein, denn wir haben eine Beziehung auf Probe.

Freitag, 12. Februar 2010

Krieg! wbpr arbeitet am iPad-Killer

Wie ein unscharfes Photo aus der Entwicklungsabteilung der PR-Agentur wbpr in München zeigt, sind die Arbeiten am "Block" genannten iPad-Killer bereits weit fortgeschritten. Ebenso wie das iPad kann der Block kein Flash, dafür soll der Nutzer aber zwischen mehreren geöffneten Anwendungen "blättern" können, wie die sympathischen Münchener es nennen.

Ähnlich wie Apple will wbpr sinnvolle Produktfeatures erst in der dritten Generation implementieren. "Wir denken dabei an eine Spiralbindung und vorgezeichnete Linien", hieß es unter der Hand.

Donnerstag, 7. Januar 2010

Ich war offline - und das war gut so.

Auf Social Media kann ich verzichten. Nach fast drei Wochen in meiner internet-freien Heimat ist mir das klar geworden. Ohne Internet gibt es kein Status-Update, keinen interessanten Link, keine neuen Projekte und keine Diskussion. Kein Sascha Lobo, nirgends.

Dafür Weihnachtsessen und Christbaum. Lange Spaziergänge. Einen Sternenhimmel, wie ihn die Stadtkinder nicht kennen.

Fest in meinem Weihnachtsprogramm: Die Autofahrt durch die Wirkstätten meiner Jugend. Auf dem Weg über die Landstraßen buchstabiere ich die Namen der vielen kleinen Dörfer. Viel hat sich nicht verändert. Es gibt ein paar Kreisverkehre mehr.

Und Social Media? Gibt es. Das Einsatzvideo der Feuerwehr landet auf Youtube, auf Facebook gibt es einiges zu sehen. Aber brauch ich das? Machen wir da nicht viel Bohei um etwas, was im Alltag der meisten Menschen nicht viel bedeutet?

Machen wir uns nichts vor: Wir sind in einem Hype, wir tun so, als ob Social Media die Welt bewegt. Gezeugt, geboren und gestorben aber wird offline.

Und doch: zwischen dem wesentlichen Analogen ist viel Platz für das unwesentliche Digitale, auch für Social Media. Ich bin neugierig, ich will von meinen Freunden hören - und von neuen Followern. Social Media ist so interessant, weil es social ist, weil es meinen sozialen Bedürfnissen entspricht wie die langen Gespräche unter dem Sternenhimmel, den die Stadtkinder nicht kennen.

Deshalb: Auf Social Media kann ich nicht verzichten, weil ich nicht auf diesen Aspekt menschlicher Gesellschaft verzichten will, der so gut zwischen das Gezeugt-, Geboren- und Gestorbenwerden passt.

Donnerstag, 17. Dezember 2009

2010 wird das Jahr des Scheiterns für Social Media

2009 war ein verdammt gutes Jahr für Social Media. Wir haben viele spannende Projekte gesehen. Vieles wurde zum ersten Mal ausprobiert, diskutiert und mit wohlwollendem Interesse verfolgt. Selbst der Fail erhielt so viel Aufmerksamkeit, dass er nicht nur lehrreich war, sondern kommunikativ richtig umgesetzt die Basis für weitere, erfolgreiche Projekte wurde.

Eine Warnung an alle im PR und Marketing Umfeld: Das wird 2010 nicht mehr so einfach mit dem Social Media. Wir werden im nächsten Jahr viele Social Media Projekte kümmerlich scheitern sehen. Und das hat zwei Gründe:

1. Wir scheitern, weil wir Ziele haben.

  • In 2010 werden Social Media schon allein deshalb scheitern, weil wir wir den Erfolg messen. Erstens werden Chefs und Controller zu Recht Zahlen verlangen, was die Sache denn bringt.
  • Zweitens werden die Projekte sehr konkrete Ziele bekommen, weil wir nach der Experimentierphase nun in der Lage sind, sie zu formulieren.
  • Drittens sind die Tools zum Monitoring und zur Evaluation inzwischen so gut, dass wir auch messen können, ob wir unsere Ziele erreicht haben.

2. Wir scheitern, weil Social Media erfolgreich ist.

Viele Testballons aus den PR- und Marketingabteilungen haben bis jetzt nur deshalb Aufmerksamkeit bekommen, weil sie zum ersten Mal in Social Media stattfanden. Jetzt ist Social Media eine Commodity wie fließend Wasser. Der Facebook-Auftritt einer Partei zur Bundestagswahl wird in keine Meldung mehr wert sein. Der twitternde Konzern ist nächstes Jahr nur noch einen Eintrag in eine Liste wert, aber keine Meldung in der Fachpresse. Auch die Aufmerksamkeit der Massen für die 500. "Folge mir und gewinne einen 5-Euro Reisegutschein"-Aktion wird geringer ausfallen.

Von PR und Marketing initiierte Social Media Aktionen werden also 2010 reihenweise scheitern, weil sie niemanden interessieren und deshalb keinen Return on Communication bringen. Weil sie kein Gespräch entfachen, und damit keinen Markt für Meinungen und Produkte.

Und jetzt kommt die gute Nachricht: Aus den gleichen zwei Gründen wird es 2010 viele verdammt erfolgreiche Social Media Aktivitäten geben! Die Menschen in Social Media werden sich Aktionen zuwenden, die witzig und gut umgesetzt sind, und die ihnen irgendeinen Nutzen bringen. Und unsere Chefs und Auftraggeber wollen Zahlen sehen - gute Zahlen.

Die Herausforderung für uns wird sein, das Engagement in Social Media strategisch einzubetten und uns klare Ziele zu setzen. Operativ aber brauchen wir viel bessere Ideen, viel mehr Kreativität und noch viel mehr Kooperation zwischen den Disziplinen. Bei aller Professionalisierung werden Social Media PR und Marketing 2010 deshalb nicht den großen Playern gehören, sondern den kreativen Strategen in kleinen, interdisziplinären Units.

Ich freu mich auf ein erfolgreiches Jahr des Scheiterns.

Montag, 28. September 2009

Gekommen um zu bleiben

2009 wird als das Jahr in die Geschichte eingehen, in der die deutschen Parteien die Politik und den Wahlkampf ins Internet getragen haben. Sie sind unter uns. Wir werden uns an sie gewöhnen müssen.

Die Parteien haben 2009 Mut bewiesen, mehr Mut als so manches Unternehmen. Erstaunt sahen die Digital Natives zu, wie CDU, SPD, FDP, Grünen, Linken und Piraten die Tools in die Hand nahmen, die wir ihnen so laut angepriesen hatten. Sie haben viele Fehler gemacht. Sie haben sich anders verhalten, als wir es ihnen in lustigen Manifesten niedergeschrieben hatten. Aber sie haben durch ihr Handeln die Regeln verändert und Fakten geschaffen, wo viele Experten noch theoretisierten.

Mit viel Geld und Manpower wurde die ganze Bandbreite von Social Media zum Einsatz gebracht: Facebook, Twitter, Xing, YouTube. Es wird spannend, wie viel von dieser Leistungsschau des politisierten Social Media Engagements übrig bleibt. Aber irgendwo ist immer Wahl, und die Investitionen und Erfahrungen in der neuen Welt waren nicht umsonst.

Die Parteien müssten Netzwerke werden, forderte Florian Semle beim jüngsten Social Media Club in München. Dabei sind Parteien nichts anderes als Netzwerke. Was die Parteien in Social Media aufgebaut haben sind Plattformen. Gute, weitgehend funktionierende Plattformen.

Wir, die wir Unternehmen beraten wollen, sollten sehr genau analysieren, was uns die Parteien da vorgemacht haben. Wir können viel lernen vom Mut, es einfach zu tun.

Freitag, 25. September 2009

Nur Prisen-PR?

In ihrem sehr intelligentem Blog-Beitrag auf dem PR-Blogger schildert Heike Bedrich den Wandel der Rollenverteilung zwischen den Kreativen, den Vermarktern und der Publik Relations im Online-Marketing. Ihre Beobachtung: In Zeiten, in denen Online-Marketing mehr bedeutet als Klicks zu erzeugen, wächst die Rolle der PR. Recht so. Schließlich trägt PR das Schaffen von Beziehungen schon im Namen.
Heike Bedrich beobachtet auch, dass die PR-Agenturen noch zögerlich sind, wenn es um den Aufbau eigener Units im Online-Marketing geht. Auch richtig - aber meiner Meinung nach nur eine Momentaufnahme.
Tatsächlich sind nur wenige institutionalisierte Units sichtbar bei den Agenturen. Sieht man genauer hin, entdeckt man viele Schnellbote. Kleine, informelle Teams und Einzelkämpfer, die sich in den Ozean vorwagen.
Geduldig analysieren wir das geheime Voodoo-Getue der Affiliate/Display/SEM (ADS)-Spezialisten und merken: Mit den heutigen Tools brauche ich für einfache Aufgabenstellungen und Gehversuche die Hilfe dieser Schamanen gar nicht mehr. Es lassen sich erstaunliche Ergebnisse erzielen mit Kreativität und ein wenig Verständnis, mit einem Kunden, der Versuche zulässt, mit einem Management, das den Rücken freihält.
Die Schamanen-Kaste braucht davor keine Angst haben. Wir PR-Ler nehmen nur Social Media beim Wort und lernen. Wir probieren aus, wo wir Public Relations sinnvoll verlängern können. Wir sehen die Grenzen, an denen wir ohne Euch nicht auskommen werden.
Am Ende des Lernprozesses werdet ihr in uns selbstbewusstere, kompetentere Ansprechpartner finden. Wir werden mit den Kreativen und Euch zusammen einiges auf die Beine stellen. Public Relations wird dann mehr sein als nur die Prise Gewürz im Kuchen - wir naschen schon am Teig.

Dienstag, 4. August 2009

Und sonntags sogar zwei

Sechs Bio-Eier von Marktkauf für 99 Cent im Angebot halte ich für einen fairen Deal - für mich, aber auch für die Hühner? Ein genaueres Scannen der Packung nach möglichen Hinweisen auf Massentierhaltung, Gen-Eier oder gefälschte Markenware aus China zeigt, dass meine Eier nicht aus einem Stall kommen. Sie waren auch nie freilaufend. Nein, die Eier vom Marktkauf stammen aus einer Legegemeinschaft!

Als kritischer Verbraucher frage ich:
1. Handelt es sich hier um eine sozialistisch strukturierte Volks-Legegemeinschaft, in der Hühner ihr Plansoll (und sonntags sogar zwei!) erfüllen müssen, damit die volkseigenen Volkseier endlich in die BILD kommen?
2. Ist es eine Gemeinschaft selbstbewusster Gründerhühner, die sich zusammengetan haben und nebenbei das Leg 2.0 mit einem revolutionären Kurznachrichtendienst genannt Gacker rocken wollen?
3. Oder sind es reiche Hühner auf einer Wellness-Farm, die zwischen zwei Heu-Bädern die Brust machen lassen?