Mittwoch, 17. Juni 2009

Radio ist einfach geiler

Natürlich hätte ich auch gerne so ein hermetisch verschlossenes, von Wissen und Erfahrung kaum durchdrungenes Weltbild wie die selbstdarstellenden Social Media Dogmatiker auf der einen Seite und die papierfixierten Apologeten der Irrlehre des Qualitätsjournalismus auf der anderen. Im Geiste der Aufklärung erzogen aber bediene ich mich gerne meines Verstandes und bin daher fähig, ja gezwungen, auch etwas komplexere Zusammenhänge zu sehen als den heraufbeschworenen Kampf der Kulturen, der letztendlich gerade mal ein Treffen der Generationen ist.
Nein, wir müssen nicht jedesmal das Rieplsche Gesetz zitieren, wenn wir daran glauben wollen, dass die Tageszeitung der einzige Weg zum Glück ist. Weil wir wissen, dass Wachstafeln vielleicht noch in Gebrauch sind, aber schon lange kein Teil der meinungsbildenden Medien.
Wir müssen auch nicht so cool und elitär in Buzzwords (Poken!) daherkommen wie die liebe Twitter-Gemeinde. Weil wir wissen, wie elitär und versnobt die Blogger vor ungefähr 24 Monaten waren.
Wir müssen nur einfach mal auf dem Weg zur Arbeit das gute Bayern2 hören, genauer die "radiowelt"; und dort die Reportage des Korrespondenten aus dem Iran. Seine letzte Berichtsmöglichkeit ist es, sich auf den Balkon zu stellen und das Mikro auf die Straße zu halten. Er fängt den Moment ein, in dem all abendlich die Menschen in Teheran dem Regime buchstäblich aufs Dach steigen und wie auf ein geheimes Zeichen hin die Parolen der Aufständischen in Wortspielen und Versen über die Stadt rufen, eine neue, einfallsreiche Form des öffentlichen Protestes. Ein journalistisches Meisterwerk in 1:30.
Irgendwann wird der BR diese Reportage vielleicht online stellen, und dann werden wir vergleichen können:

  • Wir werden sehen, dass die SZ ungefähr zwei Seite-3-Formate gebraucht hätte, um das alles zu transportieren.
  • Wir werden sehen, dass auf Twitter wahrscheinlich gerade eine Twitpoll läuft, bei der alle den Wächterrat irgendwie ganz doof finden und außerdem wäre das doch was aus Herr der Ringe, 1. Teil (der Verfilmung).
  • Im Ersten liefe wahrscheinlich ein Brennpunkt, aber es gibt nichts zu sehen aus dem abgeriegelten Land.
Das alles werden wir sehen und vergleichen. Dann werden wir zu dem Schluss kommen, dass Radio für diesen Fall einfach geiler ist. Und dass es Sternstunden für Medien gibt, in denen alle anderen nur matt leuchten. Und dann, wenn wir den letzten Gedankenschritt machen wollen, werden wir sehen, dass eine Schwarz-Weiß-Sicht und ein Lagerkampf zwar unterhaltsam, aber nicht unbedingt zielführend sind.

Donnerstag, 21. Mai 2009

Social Media, Marketing und PR

Eine Studie von Knowledge Networks hat festgestellt, dass Social Media via Twitter,Facebook & Co zwar Main Stream ist, aber in Sachen Marketing noch weiter hinter anderen Kanälen liegt.
Nur 5% der User informieren sich über Produkte in den Social Networks. Lediglich für Filme, Bücher Musik und TV-Inhalte scheint es eine Chance darzustellen.

Das scheint einleuchtend, wenn man die Inhalte ansieht, die in den Social Networks herumgereicht werden. Das Web ist noch stark selbstreferentiell. Twitter Nutzer reden immer noch sehr gerne über: Twitter und sich selbst. 

Weiter gedacht stellt sich die Frage, in wie weit in Social Media Meinungen in Bewegung gebracht werden können. Beide Disziplinen, Produktmarketing und PR, brauchen für das Social Web neue Zugangs- und vor allem Denkweisen. Beide müssen experimentieren, um ein Teil des Gesprächs zu werden, das die Nutzer in Social Networks führen. Das Schöne ist, das beide wieder voneinander lernen können. Das Gespräch ist das Basiswerkzeug beider Zünfte. Lasst uns sprechen lernen.

Mittwoch, 20. Mai 2009

Medien-Prostitution und PR

Wenn sich Thomas Knüwer auf seinem Blog sich über die Ignoranz und fehlende Innovationskraft der Verlage aufregt, dann hat er sicher Recht. Und doch beobachte ich seit einem knappen Jahr in der täglichen Medienarbeit eine ganz besondere Innovation, oder besser eine Mutation in vielen Redaktionen. Und deshalb ist es an der Zeit, dass sich Verlagsleiter, Redakteure und PR-Arbeiter die K-Frage zu stellen. K wie Koppelgeschäft.

Es ist bei einigen Medien, Fachmedien wie Publikumspresse, inzwischen üblich, dass beim Redaktionsgespräch neben PR-Arbeiter, Redakteur und Kunde auch der Anzeigenbeauftragte demonstrativ mit am Tisch sitzt. Auf meinem Schreibtisch landen Faxe, die auf der einen Seite eine ganze Latte 'redaktioneller' Berichterstattung anbieten ("ein Interview über 2 Seiten, Nennung auf der Titelseite, Messevorabbericht") und auf der anderen den schon fertig ausgefüllten Anzeigenschaltplan mitgeben. Es handelt sich dabei wohlgemerkt und ein ehemals recht angesehenes Fachmagazin.
Auch der Redakteur eines Wirtschaftsmagazins sagt am Telefon ganz offen: "Die Geschichte ist interessant, aber wir haben so viele Anzeigenkunden, die wir erst bedienen müssen." Vom Privat-Radio kennt man es sowieso nie anders.
In vielen Redaktionen scheint eine panische Duldungsstarre für dererlei Koppel-Kuppelei zu herrschen. Nachhaltig ist das Ganze nicht, es ist ein gefährliches Nervengift für die Medien - und für die PR-Branche.
Gerade die Fachmedien schaufeln sich fleißig das eigene Grab, denn die Leser/Experten riechen gekaufte Schreibe sehr schnell. Der leicht süßliche Hautgout der Irrelevanz zieht durch den Raum, wenn das Magazin gezwungen durch das K-Geschäft am Leser vorbeischreibt. Es wird den Verfall vieler Print-Medien nur beschleunigen.
Für die PR aber ist diese Entwicklung ebenso bedenklich. Unsere Spezialität ist es, zusammen mit dem Kunden die Story herauszuarbeiten, das Angebot an den Journalisten zusammen zu tragen. Die Diskussion auf dem PRlen-Blog zeigt diesen Prozess sehr gut auf. Ist es der besondere Gesprächspartner? Ist es der einzigartige Einblick in die Entwicklungsabteilung? Wir bieten an, der Redakteur wählt aus. Das macht uns zu einem Glied in der Produktion von Öffentlichkeit.
Anzeigenplatz kaufen aber kann jeder. Und je schlechter und langweiliger die Story des Unternehmens, desto eher wird es zu diesem Mittel greifen und die PR links liegen lassen. Mit Koppelgeschäften machen wir uns genauso überflüssig wie die Medien, die darauf eingehen.
Um es mit der Weisheit der Hopi-Indianer zu sagen:

"Erst wenn das letzte Holzmedium vernichtet ist, werdet ihr erkennen, dass Anzeigenplatz kein Nachrichtenfaktor ist."


Mittwoch, 29. April 2009

Neue Website von Cortal Consors

Cortal Consors war die erste meiner Banken, die am Beginn der Finanzkrise mit mir als Kunden geredet hat: Hallo, ich bin noch da, ich bin stabil, lass uns mal reden. Alle anderen von mir mit meinem Geld betrauten Institute halten sich bis heute still. 

Jetzt steht Cortal Consors kurz vor dem Relaunch des Kundenportals cortalconsors.de. Und die Kommunikation ist vorbildlich.

Das Kundenmagazin hat schon letzte Woche eine Vorschau gezeigt und Spannung erzeugt. Und jetzt bietet Cortal Consors per Newsletter eine Guided Tour an.

Das neue Design: nett

Die Funktionen: wird sich zeigen, auch wenn man schon jetzt sehen kann, dass Hobby-Trader ganz klar im Kundenfokus bleiben.
Aber der kommunikative Spannungsbogen, die Wahl der Medien und die Ansprache zeigen, dass bei Cortal Consors Profis am Werk sind.

Mittwoch, 8. April 2009

Guttenberg will 2 Mio. Bürger abwracken!

Screenshot von iGoogle
Die Reihung der Meldungen auf tagesschau.de macht deutlich, wo die Reise im Krisenland hingeht. Wirtschaftsminister Von&Zu hat noch keine Details bekannt gegeben, aber ich würde sagen, 2500 Euro pro Bürger sollten es schon sein. Wirtschaftsexperten warten, die Prämie würde vor allem ausländischen Herstellern zu Gute kommen. Von den Grünen hieß es, das Programm enthielte keinerlei ökologische Komponente und sei deshalb abzulehnen.

Dienstag, 7. April 2009

Geschichten aus dem Norden

Geschichten aus dem hohen Norden, Teil 1:

Klicken zum Vergrößern. Foto: silberlichtVor dem Hintergrund der Debatte um Ärzte, die Hilfe nur noch gegen Bargeld leisten, bekommt mein Foto aus Hamburg eine ganz neue Bedeutung.

Samstag, 28. März 2009

Bahnchef Mehdorn ist eine sichere Bank

Wenn der Mehdorn noch für etwas gut ist, dann dafür, dem inzwischen sehr twitter-lastigem Silberlicht einen Anlass zum Bloggen zu geben. Ja, der Mehdorn ist eine sichere Bank, wenn dieser bittere Witz erlaubt ist.

Der Mehdorn hat gerade gesagt, dass er für seinen Rücktritt nicht zur Verfügung steht. Klar, der Mehdorn hat sicher viel zu tun mit dem Abhör-, Daten-, Blogger-, Spitzelskandal und da ist ja auch der unbedeutende weltweite Konzern, den er da so nebenbei führt. Da bleibt keine Zeit, sich auch noch um einen Rücktritt zu kümmern. 
Das ist so selbstlos vom Mehdorn, denn mit dem Rücktritt wäre sicher eine Abfindung fällig, wie sie sonst nur Bänker und Pfusch-Ärzte einstecken.  Dabei ist aber zu beachten, dass angesichts der Schweinereien auf Schienen bei der Bahn dummerweise ein Rücktritt einfach fällig ist.
Deshalb biete ich an, beim Bahn-Rücktritt einzuspringen für den Mehdorn. Ich habe jetzt gerade eh zwei Wochen Urlaub. Hallo Herr Tiefensee, bitte Anfrage einfach per Twitter.