Freitag, 6. März 2015

Drei Lektionen: Start-ups, PR und Geschäftsmodelle

Der Marketing-Tag auf dem Münchener #googlelaunchpad ist vorbei und die 16 Start-ups wie auch das Mentoren Team gehen mit viel Input nach Hause. Ich habe gestern vier Start-ups intensiver gecoacht, vor allen im Bereich Wettbewerbsanalyse und PR-Plan. Mir hat der Austausch einiges klar gemacht.

1. Wir müssen Start-ups ernst nehmen. 
In unserem Raum im WERK1 waren 16 Ideen. Und dahinter stehen Teams und Einzelgründer, die überzeugt - oder auf dem Weg dahin sind, dass ihre Idee ein Problem löst, dass sie das Leben der Kunden damit besser, einfacher machen. Einige der Ideen werden nie ein Produkt werden, einige werden als Produkt keine Käufer finden, einige werden vielleicht ganz groß werden. Wir werden nie erfahren, welche Karrieren die Ideen vor sich haben, wenn sie die Teams nicht in die Tat umsetzen. Bis dahin müssen wir jedes Start-up ernst nehmen, dessen Idee unfertig, dessen Weg noch nicht vorgezeichnet ist. Wahrscheinlich hörte sich auch der erste Pitch von Google erstmal sehr lächerlich an. Als Kommunikatoren müssen wir behutsam mit den Ideen umgehen.

2. Ausführung vor Plan vor Strategie.
(Thanks to Emil for sharpening my senses for this one.) Einige unseren Strategie- und die meisten unserer Tools zur Entwicklung von Marken, Botschaften und Storys funktionieren für Start-ups nur begrenzt. Die Gefahr ist, dass unsere Tools, geeicht für strukturierte Organisationen mit gesetzten Zielen, den Start-ups eine gefährliche Sicherheit vermitteln. Die Annahme einer Marke, die Möglichkeit einer packenden PR-Story bleiben Annahmen und Möglichkeiten, bis sie ein Test validiert. Unsere Kommunikations- und Marken-Tools müssen daher schneller werden, improvisierter, um schneller falsifiziert werden zu können. Ein Start-up kann auf der Basis den Pivot machen.

3. Start-up Methoden werden Vorbilder für die Unternehmenskommunikation.
Die Kommunikationsverantwortlichen großer Organisationen werden für ihre Strategie bewundert. Einige von ihnen. Die anderen stellen Strategien auf, leiten Plänen ab und fangen dann mit der Umsetzung an. In vielen Bereichen der Kommunikation ist das zu langsam und zu fehleranfällig. Das kommunikative Umfeld ist auch für große Organisation an einigen Stellen zu volatil, zu sehr in Bewegung. Wenn die Tools nicht flexibel genug sind um auf der Basis neuer Daten den Pivot zu machen, laufen Markenentwicklung und Story den Zielgruppen, dem Business und der öffentlichen Meinung hinterher. Es ist ein bisschen wie beim digitalen Wandel und der Industrie: Vor lauter Planung kommen wir gar nicht mehr zur Umsetzung.



Samstag, 28. Februar 2015

Bereit zum Start auf dem Google Launchpad

Mit was geht ein Start-up in die Kommunikation? Wie wird aus einer Idee ein Pitch, aus dem Pitch eine Story? Wie entwickle ich eine Marke, die mich auf dem Markt relevant macht? Auf dem Google Launch Pad helfe ich ab Montag zusammen mit anderen Mentoren 16 Münchner Start-ups, diese Fragen zu beantworten.

Eine Woche lang arbeiten die Teams mit Mentoren am Produkt, an der Technik, dem Design, der Nutzererfahrung und an der Kommunikationsstrategie. Ziel ist es, innerhalb dieser Woche die Teams weiter zu bringen, Ideen zu konkretisieren und Entscheidungen zu unterstützen.

Die Start-ups und jungen Unternehmen, mit denen ich normalerweise zusammenarbeite, sind schon viel weiter. Meist geht es darum, die Marke zu entwickeln oder zu schärfen, die Story aufzustellen und mit einer passenden Strategie in die Kommunikation zu starten. In der nächsten Woche muss ich mich umstellen, weil die Teams in einer früheren Phase sind. Um trotzdem schnell auf den Punkt zu kommen, habe ich mein Konzept noch einmal angepasst. 

Voilà, hier kommt das Start-up Prisma

  • P wie People: Wer ist das Team? Sind es Serien-Gründer, sind es Gründer-Debütanten, ist es ein Spin-off eines etablierten Unternehmens? Welche Ressourcen und Talente sind da? Wer ist der Sprecher? 
  • I wie Initial Idea: Was ist der Nukleus der Idee, welches Problem will das Team lösen?
  • R wie Roadmap: Wie ist die Zeitplanung für die Produktentwicklung und die nächsten Finanzierungsschritte? Habe ich ein Produkt oder mehrere, wie stark skaliert das Geschäftsmodell?
  • M wie Market: Wie eng oder weit ist mein Markt? Wo stehen die Wettbewerber? Ergänzt oder verdrängt mein Produkt ein anderes? Wer sind meine Early Adopter und was sind ihre Use Cases? Wo unterhalten sich meine Communities und über was?
  • A wie Attention: Wer die Aufmerksamkeit will, muss relevant werden. Welche Produktvorteile sind nicht austauschbar und bilden den Kern meines Angebots? Wie groß muss ich denken um Aufmerksamkeit zu bekommen? Wie spitz muss ich auftreten, um mich nicht zu verlieren?
Mit diesen Elementen kann man früh beginnen, den USP auszuformulieren und die Brand mit Leben zu füllen. Am Ende steht dann
  • S wie Story: Die durchgängige, relevante und nachzuhaltende Story, die das Produkt und das Unternehmen erzählt und die über die richtige Kommunikationsstrategie sichtbar wird.

Sonntag, 2. November 2014

Schöne Beute von der Eat&Style München

von rechts: Gewürze von Spice for Life, Backmischungen von Mozzer's Finest, Kaffee von Coffeepolitan, Chili-Sauce von Lovely, Sweet Chili und Senf von Maille
v.l.: Gewürze von Spice for Life, Backmischungen von Mozzer's Finest, Kaffee von Coffeepolitan, Chili-Sauce von Lovely, Sweet Chili sowie Senf und Vinaigrette von Maille
Meine Vorliebe für gutes Essen, neue Food-Ideen und neue Food-Start-ups führte mich mal wieder auf die Eat&Style nach München. Und ich bin fündig geworden. Einige neue Ideen aber auch einige Klassiker, die ich gerne wieder besucht habe.

Hauptsächlich bin ich wegen Spice for Life ins Münchner Zenith gegangen. Über die Berliner hatte ich vor zwei Jahren schon einmal berichtet, weil sie seltene Sorten und hohe Qualität ins Gewürzregal bringen. Dieses Jahr hatten sie ihre neue Spezialität dabei, den Andaliman-Pfeffer. Ein unglaubliches Limetten-Aroma und eine feine Schärfe zeichnet diese Rarität aus. Ich stelle ihn mir frisch gestoßen auf Rinder-Carpaccio oder Vitello Tonnato vor.

Bei Mozzer's Finest aus Hamburg gefiel mir die Idee mit den Backmischungen in der Flasche sehr gut. Das macht Lust auf Backen und gibt ein gutes Geschenk ab. Hier würde ich mir wünschen, dass die Produkte Bio-Qualität hätten - dann wäre es perfekt.

Die beste neue Idee dieses Jahr war für mich Coffeepolitan. Florian Schmid-Lindner erklärte mir ausführlich das Prinzip: nur sortenreine Kaffees, langsame Röstung und Einzelverpackung direkt nach dem Rösten. Das ist Kaffee pur. Er kommt ohne umweltvernichtende Alu-Kapseln aus, die dann irgendwelche Kaffee-Abfälle enthalten. Keine Maschine, kein Filterpapier. Der Kaffee wird aus dem Portionsbeutel in die Tasse gegeben und heiß gebrüht. Fünf Minuten setzen lassen, schon sind die Sorten aus Uganda, Indien, Brasilien oder Ecuador fertig. Wahrscheinlich der beste Kaffee, den ich je auf einer Messe getrunken habe.

Gespannt bin ich auf die Chili-Sauce von Lovely, Sweet Chili aus Österreich.

Lobenswerte Erwähnung für schöne Präsentation und kompetentes Standpersonal geht an Maille Senf. Mit hat es besonders der Walnuss-Senf angetan, für den ich jetzt nur noch auf den nächsten Feldsalat warte.

Mittwoch, 5. März 2014

Live Hangout: Die Unterdigitalisierung der Unternehmen

Heute um 16 Uhr spreche ich mit Gunnar Sohn auf bloggercamp.tv über die Folgen der Unterdigitalisierung in den Unternehmen. Mein Fokus liegt dabei auf den Prozessen in der Supply Chain und ich werde über die aktuellen Schwierigkeiten der Unternehmen erzählen, hier Sichtbarkeit zu erlangen.

Mit im Gepäck habe ich einige Beispiele von Unternehmen, die aus ihrer Supply Chain ein agiles Supply Network gemacht haben, in dem sie alle für sie relevanten Daten sehen und die Prozesse mit allen Partnern weltweit managen können. Ich freue mich auf die Diskussion.


 

Mittwoch, 27. November 2013

Demokratie & Social Media: Digitaler Staub

Ein sehr kluger, skeptischer Artikel von Alexandra Borchardt in der heutigen SZ (glücklicherweise auch online!). Sie fragt, ob der demokratische Prozess überhaupt social-media-fähig ist. Studien zeigten, dass das Blockbuster-Prinzip auch für politische Themen gelte: Die großen Themen werden schnell größer, kleine Randthemen werden gar nicht mehr wahrgenommen. Sie sind "digitaler Staub". Was sogar ein notwendiger Filter für die demokratische Meinungsbildung sein könne. Die Situation ist auf jeden Fall eine Einladung an potente Interessensgruppen, den Prozess zu kapern und in ihrem Sinne zu steuern.

Ein klare Absage an die liquid democracy-Thesen der Piraten: Politischer Diskurs lasse sich nicht mit einem Like oder mit dem Abschicken einer E-Petition führen. Aber mir stellt sich die Frage, ob es historisch jemals mehr Beteiligung gab, ob nicht demokratischer Diskurs schon immer einem sehr, sehr engem Zirkel vorbehalten war. Weil er schon immer mühselig, langwierig und komplex war. Weil sich nie mehr Menschen als jetzt an ihm beteiligen konnten, weil ihnen Zeit und Mittel fehlten. Und weil sie eh nicht gehört worden wären.

Vielleicht macht Social Media dieses Defizit nur sichtbarer. Insofern wäre jedes Like, jeder Trollbeitrag ein Plus an Demokratie.

Montag, 25. November 2013

Content Marketing: Marie Jo weiß, wie man Kunden anzieht

Kaum eine Veranstaltung, kaum ein Blog, kaum ein selbst ernannter Social Media Berater kommt um Content Marketing herum. Und während letztere das Thema meist nur treiben, um ihren Kunden mit dem neuesten Hype das Geld aus der Tasche zu ziehen, wird oft übersehen, dass der Rummel um Content Marketing im e-Commerce einen fundamentalen Wandel abbildet.

Der e-Commerce Blog „Exiting Commerce“ nennt es die Shopbetreiber Falle. Was wir im e-Commerce gerade erleben, ist ziemlich genau das, was der stationäre Handel in unseren Fußgängerzonen bereits vor rund 20 Jahren durchgemacht hat. Irgendwann fing es an: Neben Kaufhof und Karstadt eröffneten die großen Marken plötzlich ihre eigenen Stores. Technik-Produkte kauften die Kunden lieber und günstiger in den Märkten auf der grünen Wiese. Das Kaufhaus mit seinem breiten Sortiment kam in die Krise. Und die kleinen Fachhändler verschwanden komplett aus dem Straßenbild der Innenstädte.

Keine Nostalgie, aber die Betrachtung des Wandels damals ist hilfreich für die Beurteilung der aktuellen Situation. Und da bewegt sich gerade vieles. Neue, starke Marken besetzen ihr Feld im e-Commerce. Wie in der Fußgängerzone sind es die kleineren Shops, die gerade reihenweise dichtmachen müssen. Ihre Strategie, durch brutalstmögliche SEO und Listing bei den Preisvergleichsportalen die Besucherströme anzulocken, zieht immer weniger. Keyword-Optimierung und die entsprechende Ausstattung mit einem umfangreichen Set an SEO-Inhalten sind immer noch Voraussetzung für den Erfolg. Aber die Weiterentwicklung des Google-Algorithmus und die neue Lust am Markenshopping führen dazu, dass generischer Keyword-Content nicht mehr reicht, um Kunden zu bringen.

Wie Content und damit verbunden Content Marketing aussieht, der Kunden etwas bringt, können e-Commerce Betreiber von den Neuankömmlingen lernen. Zum Beispiel vom Auftritt von Marie Jo. Das Label für drunter bietet einen der besten, am stärksten an das Lebensgefühl der Zielgruppen angepassten Auftritte. Dazu gehört ein klasse gemachter Blog: Listen, Tipps, Kunden-Testimonials und viele Geschichten. Das ist alles Content, der zu 100 Prozent auf die Marke passt. Das ist Content, den Kunden lieben und auf Facebook, Pinterest und YouTube finden. Den Google auch findet und die sozialen Signale der Kunden in den Social Networks mitrankt.

Amazon und Ebay werden vor diesen Shops keine Angst haben. Sie sind ja auch eher der Großmarkt auf der Fläche denn das Kaufhaus in der Fußgängerzone. Die neuen Marken mit starken Auftritten, mit Qualitätscontent und mit den richtigen Tools für Content Marketing werden sich in der elektronischen Fußgängerzone festsetzen. Und der Wettbewerb dort wird weniger um Keywords und Preise gehen, sondern um Kundenservice, Content und eine ausgefeilte Logistik.

Update: Eine Replik zu diesem Beitrag hat textprovider gepostet. Danke für das Feedback.

Sonntag, 26. Mai 2013

Geh joggen, Hello Bank

Das Cortal Consors ein gutes Händchen für nutzerfreundliches Online und neuerdings auch Mobile Banking hat, ist mir schon öfter aufgefallen. Mit der Hello Bank starten die Franzosen nun ein neues Projekt unter starker Beteiligung der Nutzer. Die Einführungskampagne aber krankt an Markenchaos und Durchschaubarkeit.


Die meisten Banken verhalten sich im Web ja ungefähr so innovativ wie die Autohersteller, die Modell-Konfiguratoren immer noch für ein ganz heißes Ding halten. Nachdem die Fidor Bank mit einem starken Mitmach-Ansatz einige Impulse in dem Markt gab, fangen die Banken langsam an zu denken. Man kann es wie die Commerzbank machen, deren größter Coup es war, eine Mitarbeiterin im Werbespot joggen zu schicken, oder man ändert wirklich etwas und bietet zum Beispiel Videoberatung außerhalb der kundenverachtenden Öffnungszeiten an, wie es die HypoVereinsbank macht.

Der Einstieg: Schlecht orchestriert.

Hello Bank lässt erstmal die Kunden arbeiten und sammelt Fragen von ihnen ein, die auf einem Workshop beantwortet werden sollen. Das Handelsblatt vermutet nicht ganz zu unrecht, dass die Nutzer die unklare Zwei-Marken-Strategie der Franzosen hinterfragen werden. Während Cortal Consors für viele als reiner Broker gilt, soll Hello Bank europaweit die Vollbank-Marke werden, Mobile Banking soll im Mittelpunkt stehen, dazu hat sich die Werbeagentur schon mal eine vollkommen uninspirierte Aktion mit einem Orchester ausgedacht.


Der Kunde? Steht verloren im Raum.

Ob und was sich für Cortal Consors Kunden ändert, ist momentan vollkommen unklar. Und so steht die Fragen-Kampagne bisher etwas verloren im Raum. Offiziell ist die Bank ja schon gestartet, angeblich sollen das neue Girokonto und das Tagesgeldkonto schon neue Produkte der Hello Bank sein. Wo es mal hingehen könnte, ist bereits unter dem belgischen Auftritt www.hellobank.be zu sehen. Fraglich bleibt, wozu man die Kunden noch fragen will, wenn die Produkte eigentlich schon fertig sind?

Und so bleibt ein ungutes Gefühl, dass die Nutzerbeteiligung nur der Fassade dient und sich Hello Bank kein bisschen für die Fragen der Kunden interessiert. Das erste Hallo der Hello Bank ist schon mal keine sympathische Ansprache.Geh lieber joggen, Hello Bank, das macht einen schlanken Fuß.