Freitag, 9. Mai 2008

Management by Hirnschmalz

Damian Sicking schreibt auf heise.de in einer gelungenen und sehr intelligenten Kolumne über eine neue Studie. Sie besagt: Entscheidungen machen Manager müde. Ich ärgere mich ein wenig, weil ich über diese Studie auch ein lustiges Stückchen geschrieben hätte und Herr Sicking mir zuvorgekommen ist.
Sei's drum, dann halt ernst.
Natürlich machen Entscheidungen müde. Oder besser, das Fällen von Entscheidungen macht müde. Weil Entscheidungen treffen immer heißt, aus Unsicherheit Sicherheit zu machen. Für die Firma, für die Mitarbeiter, für den Kunden.
Für jede der von Sicking aufgeführten Manager-Aufgaben (für Ziele zu sorgen, organisieren, Menschen entwickeln und fördern, kontrollieren, entscheiden) trifft zu: Aus einem ungeordneten Zustand macht die Entscheidung einen geordneten - und dazu braucht es Energie. Wir Bayern würden sagen: Hirnschmalz.

Die Un-delegierer
Entscheidungsmüdigkeit ist daher in vielen Unternehmen anzutreffen. Und eine besondere Art des Delegierens: Wenn Nicht-Entscheider Entscheidungen nicht treffen, müssen die Mitarbeiter aktiv werden. Ziele erarbeiten, Selbstorganisation, Selbstmotivation und Selbstkontrolle fordern den Mitarbeiter der Nicht-Chefs. Ob er dadurch auch gefördert wird?
Mitarbeiter müssen sich gegen diese Art des Un-Delegierens wehren, sonst geraten sie in eine Zwickmühle: Soll ich den Nicht-Chef durch Eigeninitiative stützen oder soll ich ihn auflaufen lassen - und dabei meinen Arbeitsplatz riskieren.
Der Un-deligierte muss auf die Führungskraft einwirken, auf die Team-Mitglieder und vielleicht sogar eine Management-Ebene höher ansetzen, um dieses Dilemma zu vermeiden. Dazu braucht es jede Menge müde machende Entscheidungen. Die Opfer der Nicht-Manager sind im besten Fall die besseren Manager. Man kann ihnen nur viel Hirnschmalz wünschen.
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